Zugspitz Ultratrail 2014

Da ich in diesem Jahr noch einen längeren Ausflug zum legendären UTMB (Ultra Trail Du Mont Blanc) plane und die Nervosität vor diesem Event nicht weniger wird, musste im Vorfeld noch einmal eine geeignete Generalprobe her. Hierfür habe ich aufgrund der terminlich günstigen Lage den Zugspitz Ultratrail ausgewählt. Weil auch einige Lauffreunde von mir diesen Wettkampf in Angriff nehmen wollten, wurde die Anreise bereits für Donnerstagabend angesetzt.
Den Freitag haben wir dann mit einer kleinen Wanderung auf die Zugspitze verbracht. Hierbei konnten wir schon einmal einen Teil der Wettkampfstrecke in Augenschein nehmen. Leider konnten wir aufgrund der Wetterverhältnisse (Schnee und Eis) nicht direkt bis zum Gipfel aufsteigen und mussten die letzten Meter von Sonn Alpin an mit der Gletscherbahn überwinden. Der Berg war so vernebelt, dass wir uns fast auf der Terrasse verlaufen hätten als wir die Deutsch-Österreichische Grenze überschreiten wollten. Nachdem wir dann gemütlich mit der Tiroler Zugspitzbahn wieder ins Tal gefahren sind, konnten wir uns noch ganz entspannt der Startvorbereitung und der Pasta-Party widmen.

Natürlich muss vor so einem Ultralauf die Ausrüstung mehrfach nachkontrolliert bzw. der Laufrucksack umgepackt werden. Es war hier sehr beruhigend zu sehen, dass es uns hier allen genauso ging. Als ich am Freitag nach einem letzten Ausrüstungscheck zu Bett ging, ahnte ich noch nicht, dass ich zwar meinen Wecker gestellt und die Weckzeit mehrfach kontrolliert und nachjustiert habe, die Wiederholung allerdings auf der Option „An Wochentagen“ stand. Da der Lauf am Samstag startete, hatte dieser Umstand meine unmittelbare Startvorbereitung dann um ein vielfaches beschleunigt. Hier hat sich dann doch die gute Vorbereitung am Vortag ausgezahlt, sodass die notwendigen Arbeiten am Morgen nur noch sehr überschaubar waren.

Kurz nach 7:00 Uhr standen wir schließlich am Start im Musikpavillon Grainau. Alle Rucksäcke sind durch die Materialkontrolle gekommen und wir konnten es kaum erwarten auf die Trails hinaus geschickt zu werden. Unter Anführung der örtlichen Musikkapelle ging es die ersten 500m durch den Ort. Bei einem Ultralauf ist es besonders wichtig die Sache langsam anzugehen und sich nicht gleich vom Tempo der Anderen mitreißen zu lassen. Ich gebe zu, damit habe ich schon immer meine Probleme. Trotzdem bin ich hier die ersten Kilometer relativ gemächlich angegangen. Nach einer knappen Stunde hatte ich die „Eibsee-Alm“ und damit den ersten Verpflegungspunkt erreicht.
Nun folgte der erste ernsthafte Aufstieg zum Fuß des Zugspitzmassives. Hier erkannte ich viele Stellen wieder, an denen ich bei meiner ersten alpinen Unternehmung (Zugspitz-Besteigung in Laufschuhen 2012) unterwegs war. Es folgte ein schöner Downhill zur Talstation der Tiroler Zugspitzbahn und über ein paar kleinere Zacken zur „Ehrwalder Alm“. Hier startete unsere Wanderung am Vortag.
Weiter ging es über die „Pestkapelle“ an den Flanken eines herrlichen Hochtales hoch zum „Feldernjöchl“. Hier zweigte unsere Wanderung am Vortag zur Knorrhütte hin ab. Diesmal war allerdings zu sehen wie eine Menschenkette sich ameisengleich steil nach oben bewegte und im Himmel verschwand. Da war dann wohl erst einmal das nächste Ziel. Über zwei weitere Zacken ging es dann bei etwas dünnerer Luft zum nächsten Downhill zur „Hämmermoosalm“.

Hier war ein großer Verpflegungspunkt mit sehr viel Zuschauerverkehr aufgebaut. Birgit, die Frau meines Sportsfreundes, schickte mich schließlich auf das nächste Teilstück. Jetzt führte der Weg durch ein weiteres wunderschönes Hochtal über das „Scharnitzjoch“. Der folgende Downhill wollte kein Ende nehmen. Hier konnte man die Beine ordentlich fliegen lassen. Am nächsten Zwischenstopp, dem Hubertushof bei KM 54, konnte man die Kleidung und die Schuhe wechseln. Auch hier war Birgit wieder helfend zur Stelle.
Von nun an ging es gute 10 km flach auf einer Skiloipe entlang bis nach Mittenwald. Dieses Stück zog sich wie Kaugummi, ich hatte mittlerweile einen Tiefpunkt erreicht, sodass mir das Laufen auf flacher Strecke besonders schwer fiel. Eigentlich wollte ich hier „Meter machen“. Am nächsten Verpflegungspunkt in Mittenwald traf ich einen alten Bekannten, mit dem ich mich im Vorjahr die letzten 30 KM durchs Pitztal gequält habe. Dank Ihm wurden die nächsten relativ sanften Kilometer bis zum „Ferchensee“ eine unterhaltsame kurzweilige Sache. Leider wollte er nach dem „Ferchensee“ Tempo rausnehmen, da er etwas angeschlagen war. Nach der Verpflegungsstelle am „Ferchensee“ folgte eine endlos lange Forststraße, auf der ich wieder an meinen Tiefpunkt erinnert wurde. Hier lief zum Glück ein weiterer Sportsfreund, Thomas auf mich auf. Mit ihm habe ich schon einige Touren in der Sächsischen Schweiz bestritten. Allerdings hatte ich diesmal echt zu tun sein Tempo mitgehen zu können. Irgendwann hatte auch die Forststraße ein Ende und wir gelangten zur „Partnachklamm“.
In diesem Bereich sollte ein weiterer Verpflegungspunkt vor dem finalen Anstieg auf den „Lengenfelder“ sein. Durch ein Missverständnis dachte ich hier, ich wäre an diesem Verpflegungspunkt vorbei gelaufen. In meinem Kopf kreisten die Gedanken, ob ich noch einmal umdrehen sollte, schließlich wurden an Verpflegungsstellen auch Zwischenzeiten genommen und ich hatte etwas Angst vor einer Disqualifikation. Als nach wenigen Minuten der Verpflegungspunkt doch noch auftauchte und sich das Missverständnis aufklärte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ich denke, hier habe ich die berühmte zweite Luft bekommen. Vielleicht wurden meine Lebensgeister aber auch durch die Aufnahme von RedBull an dieser Verpflegungsstelle wieder geweckt.
An dieser Stelle waren noch 20 KM zu bewältigen. Etwas bedrohlich waren allerdings noch die 1200 HM im Aufstieg, die hier noch an einem Stück zu bewältigen waren. Der Weg zog sich zunächst noch relativ flach durch einen Wald, führte allerdings bald in verwurzelten Serpentinen steil nach oben. Nach ca. 800 HM spuckte er uns am „Kreuzeck“ aus. Hier war eine Verpflegungsstelle aufgebaut, die es zweimal zu passieren galt. Wie ich später erfuhr, hatte die führende Frau hier versehentlich den direkten Weg nach unten angetreten und wurde sofort disqualifiziert. Das war bestimmt sehr bitter. Wir wurden hier noch einmal über einen breiten Weg die restlichen 400 HM bis zur Bergstation der Alpspitzbahn geschickt. Es war wirklich sehr beeindruckend diese schroffe prachtvolle Hochgebirgsarena im roten Licht des Sonnenuntergangs zu erleben.
Genau um 21:10 Uhr stand ich an der Alpspitzbahn. Vor mir lag nur noch der letzte lange Downhill. Ich habe einen Augenblick innegehalten und noch einmal das Alpenglühen betrachtet, um mich dann noch einmal ins Vergnügen zu stürzen. Am Vortag wurde ich etwas belächelt als ich eine Zielzeit im Bereich von 15 Stunden als möglich betrachtete. Nun war das ja durchaus im Bereich des Machbaren und ich ließ es noch einmal richtig laufen. Den zweiten Stopp an der letzten Verpflegungsstelle habe ich absichtlich ausgelassen, da ich möglichst weit ins Tal kommen wollte, bevor ich die Stirnlampe einschalten muss. Der Abstieg verlief jetzt größtenteils über stufige Single-Trails, vorbei an zahlreichen Lagerplätzen der Bergwacht. Die Lagerfeuer leuchteten weit und warm in die aufziehende Nacht. Das waren Eindrücke, die ich so schnell nicht vergessen werde. Tatsächlich brauchte ich die Stirnlampe nur während der letzten 20 min im Wald und erreichte nach 15:04:29 h als 54. Starter das Ziel.
Hier war gerade das Fußball-WM-Vorrunden-Spiel Deutschland : Ghana im Gange und der Musikpavillon war gut gefüllt. Ich wurde hier bereits von Birgit, meiner Streckenbetreuung, und den Lauffreunden der kürzeren Distanzen erwartet. Die Erholungsphase wurde dann erstmal durch die letzten, sehr spannenden 30 min des Fußballspiels eingeleitet. Ich war natürlich auch entsprechend erschöpft, aber froh, dass ich hier ohne Beschwerden oder Verletzungen (außer ein paar Blasen am Fuß) durchgekommen bin.

Fazit: Generalprobe erfolgreich abgeschlossen!

André Pareigat


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War der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer. Ilona Schlegel

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