24h von Bernau 2011

Nachdem es mir 2006 leider nicht möglich war, den 24 Stunden-Lauf von Bernau innerhalb einer 4er Staffel zu absolvieren, sollte es 2011 nun endlich klappen!
Andrea, André und Werner wurden von mir schon 2010 „überzeugt“. (Nein es wurden keine Wetten abgeschlossen!) Im Mai 2011 trafen wir uns dann, um erste Absprachen zu tätigen. Die Teilnahme an einem solchen Lauf ist, auch in der Vorbereitung desselben, schon eine Herausforderung. Es muss an vieles gedacht werden. Von A wie Abfallsack bis Z wie Zelt. Es gelang mir mit Tell Wollert einen erfahrenen Personaltrainer und Ultraläufer für unseren Betreuerstab zu gewinnen ( www.laufend-aktiv.de ). Ergänzt wurde das Betreuungsteam von Simone und unserem Mann für die Technik, Max.

Da in Bernau nach jeder Runde (1.616 m) gewechselt werden muss, entschieden wir uns im Vorfeld zur „Pärchenbildung“. Andrea/Andre` und Werner/Stefan. Wir vereinbarten für den Anfang einen Wechsel nach drei Stunden. Dies probten wir im Großen Garten. Laufmäßig waren daher lange, langsame Läufe angesagt. Jeder bereitete sich individuell vor. Ab und zu gelang es uns auch gemeinsam zu laufen. Mit Andrea waren mir auch Doppeleinheiten vergönnt. D. h. Samstag früh 2h und am Nachmittag noch einmal 2h.

Die Spannung stieg und die Flure unserer Wohnungen sahen aus wie das Basislager einer Himalaya-Expedition. Geplant war, am Freitag nur mit Andrea ihrem Wagen zu fahren, doch es stellte sich bald heraus: Unmöglich. Also noch schnell „Erwin“ (mein Auto) gepackt. Nun bekamen wir alles weg und mit zwei Autos waren wir um 18:00 Uhr im Stadtpark von Bernau. Das „Vorauskommando“ bestand aus Andrea, André und mir. Ziel war es, unseren Standort so zu wählen, dass dieser in der Nähe der Wechselzone war. Merke: Je länger der Wettkampf, desto schwerer werden die Beine! Wir fanden einen prima Platz, direkt an der Laufstrecke und in der Nähe zu Start/Ziel sowie zu den sanitären Einrichtungen. Dann bauten wir alle 4 Zelte auf (2 kl. für Schlafpausen, 1 Mannschaftszelt, 1 Massagezelt). Anschließend Abendessen im Steakhaus und danach ab in den Schlafsack.

Samstagvormittag angespanntes Warten auf unsere Betreuer und Werner. Das Wetter spielte mit und die Sonne blinzelte ab und zu hervor. Wir beschlossen eine erste Streckenbesichtigung. Die Beschreibung des Veranstalters war treffend. Ein schöner, abwechslungsreicher Rundkurs. Wir richteten uns gemeinsam weiter ein. Andrea übereichte jedem ein kleines Präsent. Danke dafür. Dann „schworen“ wir uns ein und warteten auf den Startschuss um 14.00 Uhr.

Beim 24-Stundenlauf in Bernau werden verschiedene Distanzen angeboten: „Schnupperlauf“ über 6 Stunden, 24h Einzel und die Staffeln (2-4, 5-10, 11-50 Pers.). Dabei sind die 6 Stundenläufer klar in der Überzahl. Das Teilnehmerfeld lichtete sich nach 20 Uhr daher merklich. Wir starteten in der Kategorie: „Männerteam“. Andrea lief die erste Runde. André wartete im Wechselbereich, während Werner und ich unsere „Ruhezone“ aufsuchten. Wir waren ja erst um 17:00 Uhr das erste Mal dran.

Andrea: Ich lief viel zu schnell los. Ließ mich viel zu sehr von den Schnellen anstecken. Wechsel auf André. Erste Rundenkarte holen und gegenüber wieder abgeben. Ich blieb gleich im Wechselbereich, um André nicht zu verpassen. Und da war er auch schon. Wir pendelten uns auf unsere Rundenzeiten ein und liefen ziemlich entspannt unsere ersten 3h ab. Dann Wechsel auf Stefan und Werner.

17:00 Uhr. Meine erste Runde. Es waren zwei kleine Hügel dabei und ich nahm mir vor, diese immer zu laufen (hat auch geklappt!) Das ausfüllen, stecken und abholen der Rundenkarten wurde Routine und um 20:00 Uhr war unser erster Block geschafft! Prima. Pause!

Andrea: In der Zwischenzeit gönnten André und ich uns eine Dusche und relaxten in der Sonne. Ich ließ mich von Tell mit einer traumhaften Massage in die völlige Entspannung bringen. Danach dachte ich, ich könnte fliegen, so leicht und entspannt fühlten sich meine Beine an. 20 Uhr ging’s für uns wieder auf Strecke. Eigentlich wollten wir den zweiten 3h-Block ruhiger angehen. Beim Blick auf die Rundenzeiten der anderen Männermannschaften packte uns allerdings der Ehrgeiz und wir blieben bei unseren eingespielten Rundenzeiten. Und kaum zu glauben: Wir hatten unseren Spaß! Nach 3 Stunden hatten wir wieder 3 Runden auf die anderen aufgeholt. Zufrieden wechselten wir auf Stefan und Werner.

23:00 Uhr. Beginn zweiter Block. Werner und ich pendelten uns bei ca. 9-10 min je Runde ein. Ich trank ausreichend und vergas dabei das Essen nicht. In der Wechselzone war dazu direkt ein Verpflegungsstand eingerichtet. Perfekt!

Andrea: Während dieser Zeit genossen wir eine warme Dusche. Ich bezog sofort mein Schlaflager, während André einfach nur relaxte. Um 1:20 Uhr wurde ich von Tell geweckt und mit einem frisch gebrühten Kaffe wieder ins Hier und Jetzt gebracht. Danach ging’s wieder in Richtung Wechselzone – wir lösten Stefan und Werner ab.

Nach Ende unserer zweiten Einheit nachts um 02:00 Uhr war ich nur noch müde. Ich kroch ins Auto und schlief sofort ein. Da die Betreuer auch schliefen, hatte ich mit Werner vereinbart: Wecken um 4:30 Uhr. Ich benötige nach solchen Aktionen schon ein bischen mehr Zeit. Werner klopfte aber erst 04:40 Uhr, so dass es dann etwas schneller gehen musste.

Werner: Das war alles halb so tragisch, Stefan hat ein bischen divenhaft rumgezuckt, sich dann aber bald wieder beruhigt…

Wir waren dennoch pünktlich, um Andrea und André 05:00 Uhr abzulösen. Die beiden liefen wie Uhrwerke! Permanente Rundenzeiten zwischen 7-8 Minuten. Respekt euch beiden. Die ersten beiden Runden spürte ich noch meine Beine, aber mit jeder Runde wurde es besser. Die Kirchturmuhr schlug 05:30 Uhr als es zu dämmern begann. Die Vögel zwitscherten und von neuer Energie getragen liefen wir in den Tag. Mittlerweile kannte man die 24h-Läufer und bewunderte deren Leistung. Helmut, rechter Unterschenkel amputiert und mit Prothese 24h gehend, 71 km! Oder Gabi, die bei ihrem ersten 24h-Lauf 130 km absolvierte. Hajo Palm (M 60) spulte 112 Runden ab und lief damit 182 km. Hochachtung und Respekt vor der Leistung aller 24h-Läuferinnen und -Läufer. Um 08:00 Uhr hatten wir auch unseren dritten Block geschafft und freuten uns auf das Frühstück. Nach dem Duschen saßen wir dann zusammen im Freien und sahen Andrea und Andrè beim „Runden drehen“ zu. Abgerundet wurde die Pause durch eine individuelle Massage von Tell. Das war suuuuuper schön und tat unheimlich gut.

11:00 Uhr Wechsel. Da André unbedingt zwei Marathons und Andrea die Mannschaftsleistung von 160 Runden vollmachen wollte, durften beide in unserem Block mitlaufen. (Andrea: Ich legte allerdings erstmal eine Verschnaufpause von 1h ein und ordnete mich danach ins Wechselsystem ein.) Dadurch waren Werner und ich gezwungen weniger zu laufen. OK. Auch nicht so schlimm um diese Uhrzeit. Nur die 50 km Grenze wollten wir dann doch beide „knacken“. Motiviert durch die Massage und das herrliche Wetter gelang es Werner und mir mehrfach unter 10 Minuten zu bleiben. Ich schaffte sogar noch eine 8:19! Die „Alten“ können eben, wenn sie wollen bzw. ganz lieb gebeten werden! Mit einer Brustkamera bin ich dann noch eine Runde abgelaufen und habe diese kommentiert. Ich hoffe der Film ist etwas geworden…Um 13:57 Uhr beendete ich die letzte „volle“ Runde und übergab auf André. 14:00 Uhr – Aus! André musste stehenbleiben, wo er gerade war. Mittels Messrad wurden die von ihm gelaufenen Meter vermessen. Wir begaben uns alle zu ihm und stießen an dieser Stelle mit Sekt an.
Insgesamt waren wir 268,984 km (166 Runden) gelaufen.
Zurück an unserem Platz begannen wir mit dem Abbau unserer Zelte. Parallel dazu fanden direkt vor unserem Platz die Siegerehrungen statt.

Hier die wichtigsten Ergebnisse:

6h Lauf – Siegerin: 63,153 km
6h Lauf – Sieger:    77,689 km
24h Lauf – Siegerin: 173,181 km
24h Lauf – Sieger:   210,025 km

Andrea: Wir sind alle sehr zufrieden mit unseren Leistungen und hatten trotz Anstrengung auch viel Spaß. Es gibt bereits erste Überlegungen für einen weiteren Start im nächsten Jahr. J

André: Für mich war dieser Wettkampf eine gelungen letzte Herausforderung bevor ich mich nun vorrangig der Kinderbetreuung widme und das Laufen etwas hinten anstellen werde.

Stefan: Eine sehr, sehr schöne Laufveranstaltung, mit für mich nur positiven Erinnerungen. Perfekt organisiert. Unsere Taktik mit den 3h-Blöcken war perfekt. Ich weiß nicht, ob ich einen permanenten Wechsel über 24h überhaupt durchgestanden hätte! Mein persönlicher Dank geht an meine Mitläufer: Andrea, André und Werner. Es war Klasse mit euch und hat riesig Spaß gemacht! Falls es André gelingen sollte eine „schnelle“ 4er Durchläufermannschaft zusammen­zustellen, fungiere ich gerne als Betreuer!

Unser gemeinsamer Dank gilt:

Unseren Betreuern Simone, Max und Tell.
Grit F.: Danke für das große Zelt.
Und all denen, die uns die Daumen gedrückt haben!

Epilog: Natürlich fiel in dieser Zeit auch der ein oder andere Spruch. Auszüge:

Samstag 10:20 Uhr: Streckenbegehung. Die Strecke ist doch ziemlich kurz.
Sonntag: 22:00 Uhr: Ein Drittel weg!
Sonntag 02:01 Uhr: Die Hälfte ist rum. Immer lächeln!
Sonntag 04:45 Uhr: Das ist ein Volvo und kein Golf! Stefan an Werner, nachdem Werner die Heckklappe 5x hat zufallen lassen.
Sonntag: 04:50 Uhr: Ich habe Blähungen. AW: Das kommt von deiner Scheiß Babynahrung!
Sonntag 08:10 Uhr: Ist wie Camping, nur mit bischen laufen.
Sonntag 10:45 Uhr: Die Männer werden Wachs in meinen Händen!

Ein Bericht von Stefan, ergänzt von Andrea, André und Werner


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War der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer. Ilona Schlegel

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