45. Rennsteiglauf 2017 – Wo wartet der Mann mit dem Hammer?

Wie jedes Jahr im Mai und dieses Jahr für mich zum 15. Mal ruft der Rennsteig.

Zum 10. Mal nehme ich dabei die Marathondistanz unter die Sohlen.

Bei sonnigem Wetter und 26°C starte ich am Vorabend in Dresden. Kurz vor Ankunft am Startort Neuhaus durchfahre ich die erste Regenfront, welche die Luft auf erfrischende 14°C abkühlen lässt.

Nach Park-bzw. Schlafplatzsuche und Abholung der Startunterlagen ging es zur Kloßparty in die Guths-Muts-Halle. Gesättigt von Thüringer Klößen, Roulade und Rotkraut konnte man dann zum Rennsteiglied schunkeln, den Bühnengästen zuhören oder bis in die Nacht tanzen.

Ich zog es jedoch vor mir gegen halb zehn in meinem Bus den Schlafplatz vorzubereiten. Das vorüberziehende und lang anhaltende Unwetter ließ mich aber nicht vor halb 1 zur Ruhe kommen. Am Morgen spürte ich aber, dass ich die vorherigen Tage gut geschlafen hatte und mir die kurze Nacht nichts ausmacht.

Der Tag begrüßte mich mit herrlichstem Sonnenschein und 6°C. Also schnell in die Halle Kaffee besorgen und dass Frühstück genießen. Dieses bestand, bewährter Maßen, aus einem Rosinenbrötchen, einer zerdrückten Banane und einem halben Glas Babybrei. Mehr muss auch nicht sein, schließlich warten die Versorgungspunkte mit allem, was der Läufer benötigt, ganz besonders dem magenverträglichen und beliebten Haferschleim.

Nach Abgabe des Kleiderbeutel (PostLKW fahren diese zum Ziel) und Anstellen an den blauen Häuschen ging es in den Startgarten auf dem Sportplatz am Abelsberg, der sich allmählich mit Läufern zu einem bunten Feld füllte.

Bevor Täve Schur den Startschuss gab, wurde gemeinsam noch zum Schneewalzer geschunkelt. Eine Tradition, die nicht fehlen darf. Neuhaus war übrigens zum 40. Mal Startort für den Marathon.

Der Knall ertönte und alle Nervosität war verflogen. Da ich die Strecke mittlerweile fast in- und auswendig kenne, so weiß ich, dass der zweite Teil der härtere wird. Und somit läuft da immer ein bisschen Angst mit, nicht zu finishen und die Serie reißen zu lassen. Somit habe ich mir vorgenommen, nicht mit strengem Blick auf die Uhr sondern nach Gefühl zu laufen.

Gleich auf den ersten Metern ein Wermutstropfen. Meine treuesten Fans warten dieses Jahr nicht vor „Trauts Ferienhäuschen“. Auch ins Ziel werde ich nicht mit meinen Kindern einlaufen können. Der Lauf der Zeit ist eben auch nicht aufzuhalten….

Der erste Kilometer geht stetig bergauf. Die Strecke verläuft dann aber bis zur ersten Verpflegungsstelle bei KM 6 wieder sachte abwärts. Ab hier geht es direkt auf den Rennsteig, und die Kilometer purzeln so dahin. „Platzierungskämpfe“ auf den relativ engen Waldwegen überlasse ich anderen und genieße meinen Lauf. Die Sonne wärmt den Rücken, die Luft ist klar und es läuft super.

So freue ich mich schon auf den Hohlweg, der nach dem Überqueren des Eselsbergs mit Rennsteigwarte zu durchqueren ist. Zwar ist dies die langsamste aber für mich die schönste Passage dieses Crosslaufs. Weiter geht es für mich im Wohlfühltempo und unterhalten von Wanderern und Blaskapellen am Wegesrand. Auch der Leierkastenmann steht wieder an seiner angestammten Stelle und spielt das Rennsteiglied. Wieviel Marathonis er wohl in den letzten Jahren gesehen hat?

Über 30 km sind geschafft aber vom Mann mit dem Hammer ist noch nichts zu sehen! „Bleib vorsichtig!“ rede ich mir zu „Es wartet noch der Schlussanstieg auf dem letzten Kilometer.“ Immerhin sind da noch einmal über 120 Höhenmeter zu bezwingen. Unterstützt von unzähligen Menschen am Rand wird man diesen letzten Berg hochgeputscht. Nicht umsonst nennt man dieses Spalier auf der Reitallee auch das „Alp d´Huez des Rennsteiglaufs“. Ich habe noch Kraft, das im Laufschritt durchzuziehen, und habe nur noch die halbe Sportplatzrunde vor mir.

Ich habe es wieder einmal geschafft. Ich bin angekommen im schönsten Ziel der Welt, in Schmiedefeld…!

Und der Mann mit dem Hammer? Der hat wohl einen Hungerast bekommen und musste abbrechen.

Vom Gefühl her hätte ich noch so 5 – 7 Kilometer geschafft. Ein kurzer Gedanke auch mal zu den Helden zu gehören, die über den Supermarathon finishen? Ne – Das muss (noch) nicht sein…  J

Nach dem Duschen und in frischer Kleidung genehmigte ich mir das Läuferbier und eine Thüringer Bratwurst. Ich war mit mir und meinem Lauf zufrieden. 4:15:05 standen auf der Uhr. Nicht die Traumzeit, aber ich fühlte mich super.

Zurück zum Startort brachte mich diesmal einer der vom Veranstalter eingesetzten Pendelbusse. Ich erwischte ohne lange Wartezeit noch einen „Sitzplatz“ im Mittelgang.

Für eine Startgebühr von 35,- € (ich erhalte mittlerweile 5,- € Rabatt) bekommt man zu einem schönen Lauf noch sehr viel Leistung und Service geboten.

Nach einer Nacht im Hotel und einem gemütlichen Frühstück ging es wieder zurück nach Dresden.

Und nach 3 Tagen war ich dann auch schon wieder angemeldet. Für meinen 16. Rennsteiglauf 2018.

Vielleicht bekommen wir für das nächste Jahr eine Gruppe zusammen und feiern gemeinsam abends im Festzelt!

Dirk


2 Antworten zu “45. Rennsteiglauf 2017 – Wo wartet der Mann mit dem Hammer?”

  1. Ulrike sagt:

    Hallo Dirk,
    klasse Bericht! Rennsteig ist doch der Schönste! Wir sind nächstes Jahr schon mal zu Zweit und finden sicher noch Mitstreiter.
    komm gut über die trainingsfreie Zeit….
    viele Grüße,
    Ulrike

  2. DL sagt:

    Sehr schöner Bericht! Motiviert einen selber wieder mehr zu tun. 😉

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„Laufen ist ein Naturheilmittel, eine natürliche Droge und der gesündeste Weg der Stresskompensation.“ Herbert Steffney

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