5. VBH 24 Stunden Europalauf

Tilo fand die Idee bescheuert (verständlich). Aber ich hab mich nicht davon abbringen lassen.
05:00Uhr – ich werde munter. Die Vögel zwitschern ihr Morgenlied, die Sonne lacht, ich höre Läufer auf ihrer Morgenrunde. Nein. Ich steh noch nicht auf! Rumdrehen, einkuscheln … 06:00 Uhr – ich steh auf.

Tilo wird mit dem Rad nach Hoyerswerda fahren. Er startet gegen 06:45 Uhr.
Ich versuche ruhig zu bleiben. Eine Stunde später sitze ich im Auto. In Königsbrück treffe ich Tilo. Er wirkt seeeeeehr entspannt, In Bernsdorf kurzer Toiletten-Zwischen-Stop bei Oma.

09:15 Uhr erreiche ich das Lausitzbad. Die Organisatoren/Helfer sind gerade mitten beim aufbauen – Strecke markieren und kehren. Ja! Unglaublich, aber wahr – hier wird die komplette Laufstrecke vor dem Start gekehrt!
Ich laufe die 925m-Runde ab. Sehr hübsch – immer um den See rum. Dann hole ich meine Startunterlagen. Nächste Überraschung: Hier gibt es für jeden(!) Schuh einen Transponder. Die Befestigung selbiger wird die nächste Herausforderung, denn ich habe keine „normale“ Schnürung. Außerdem wird sich der Schuhwechsel seeeehr aufwendig gestalten.

Wie aus dem Nichts steht Tilo auf einmal neben mir. Völlig relaxt, als wöllte er gerade erst starten. Wir beschäftigen uns zusammen mit dem Projekt „Transponder“. Als sie endlich am Schuh sind, begeben wir uns zum Start. Schnell noch das Maskottchen gedrückt und los geht’s – pünktlich 11 :00 Uhr fällt der Startschuss.

Schon nach den ersten Runden runzelt Tilo bedenklich die Stirn. Das Tempo ist zu schnell. Ja. Habe ich auch schon gemerkt und versuche geringfügig zu drosseln. Nach 3h – das erste Viertel ist geschafft, merke ich schon wie der Kopf launisch wird.
Zum Glück gab’s bissl Ablenkung – meine Mutti samt Oma kamen zur „Unterhaltung“. Sie hatten Kaffee und Kuchen dabei. Ausgerechnet meinen Lieblingsblaubeerkuchen, den ich mir nicht traute, während des Wettkampfes, zu essen. Na wenigsten frisch gebrühter „heimischer“ Kaffee. Lecker! Ergebnis: ich musste gleich auf der nächsten Runde zur Toilette abbiegen. ….

Nach 5 ½ h kam dann bereits das befürchtete Tief – ich hatte keine rechte Lust/Motivation mehr. Tilo beruhigte mich: „Das kennst du doch! Nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch.“ Na hoffentlich bald!
Langsam wurden die anderen Betreuer aktiv und auch ich bekam von ihnen Beifall und schließlich sangen und tanzten wir, wenn ich bei ihnen vorbei kam. Meine Stimmung wurde wieder besser und ich war nach jeder Runde gespannt, welches Lied es jetzt mitzuträllern gibt.

Ich hatte mal wieder Probleme mit der Nahrungsaufnahme. Hunger, aber essen ging nicht. Ein Läufer gab mir den Tipp, es mal mit Bier zu probieren. Das erschien mir wenig schlüssig. Dennoch – mir ging’s nicht gut, was soll’s. Tilo organisierte ein Bier. Und: es schmeckte super! Er musste mich bremsen! Und: danach ging es mir besser. (Vermutlich auch ne Kopfsache!???)

Aller Stunden gab der Sprecher die Zwischenstände bekannt. Schnell war klar, dass ich hier gewinnen kann. Nach 8h eine kurze Irritation – Rechenfehler beim Veranstalter = sofortiges Motivationstief bei mir! Tilo kümmerte sich umgehend darum! Es folgte eine Korrektur. Naja – irgendwie war die Luft jetzt raus und ich musste neu ansetzten.

Auf der Strecke hatte ich mit fast jeder Läuferin/Läufer Kontakt und meinen Spaß!  21 Uhr stieg die Fußballspannung. Der Sprecher hielt die Läufer über das Spiel und die Tore auf dem Laufenden.

Nach 10h lief’s dann auch wieder. Die 100km sollten zu schaffen sein. Also – nicht nachlassen. So verging die Zeit wie im Flug. Und schon war es geschafft – letzte Runde. Nochmal vollen Speed, damit es zum Ziel nicht so weit ist. Tilo kam gleich mit dem Vermessungsrad mit. So wusste ich sofort, dass ich nochmal 750m geschafft hatte. Insgesamt also 105, 235 km und damit Gesamtsiegerin – ich bin zufrieden.

Sofort nach Zielschluss begann auch die Siegerehrung. Wahnsinn! Das hatte ich noch nicht erlebt! Respekt und großes Lob an den Veranstalter!
Somit waren wir bereits 23:30 Uhr auf dem Heimweg und  00.45 Uhr im Bett.

Andrea Heschel


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„Laufen ist ein Naturheilmittel, eine natürliche Droge und der gesündeste Weg der Stresskompensation.“ Herbert Steffney

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