Bericht Ultra Rennsteig am 20.05.2017

…. Und es hat Zoom gemacht!

Nach vier Marathonläufen (davon zwei am Rennsteig) stand für mich fest: „ Das schönste Ziel der Welt ist Schmiedefeld“ – diesmal soll es aber der Ultra mit 73,5 km sein.

Mit zwei verschiedenen Trainingsplänen ausgestattet, beginnt das Training moderat, aber durch die long-Jogs werden die letzten sechs Wochen doch anstrengend.  50 km bei Regen – man kann sich schöneres vorstellen. Aber – und an dieser Stelle schon mal das herzliche Danke  an die gesamte Laufgruppe, vor allem Kerstin und Iris, auch das ist zu bewältigen. Und als die Regenationsphase beginnt, kommt das richtige Vorgefühl der Freude, alles ohne größere Probleme überstanden und „heiß“ auf den Lauf!

Um den Ultra richtig genießen zu können, reise ich bereits Donnerstag in Eisenach an und verbinde ihn mit Kultur (Luther-Ausstellung auf der Wartburg) und shoppen. Nach Abholung der Startunterlagen am Freitag gehe ich die ersten Kilometer des Laufes ab: Obwohl ich mir das Streckenprofil angeschaut habe, bin ich geschockt über die Steilheit der Strecke, beginnt sie doch sofort mit ca 7 km stetigem Anstieg. Uff, das wird ein hartes Stück Arbeit, Zweifel melden sich. Aber angemeldet ist angemeldet!

4 Uhr aufstehen. Mit drei Brötchen gestärkt schlendern meine Lauffreundin Gabi und ich zum Marktplatz Eisenach, unser Hotel ist nur 500 Meter vom Start entfernt, der Lauf beginnt 6 Uhr, das Läufervolk ist noch etwas verschlafen, aber gut drauf.

Dann beginnt der erste Teil der Strecke, bis km 25 nur Steigungen, der absolut schwierigere Teil der Strecke.

Aber auch der Schönste, da die Morgenstimmung unschlagbar ist und während der ersten „Geh-„kilometer man mit allen möglichen Ultras ins Gespräch kommt- wenigstens im hinteren Teil des Lauffeldes, während es vorne wohl eher zur Sache geht. Die Erkenntnis: immer mehr Frauen laufen Ultras (von 2.000 Läufern dieses Jahr immerhin 400 Frauen) und der Ultra muss langsam angegangen werden und die Kräfte sind einzuteilen. Als der Große Inselsberg bei km 25,5 erreicht ist, stellt sich die erste Erleichterung ein (allerdings auch 3,5 Stunden gebraucht!) – aber der Abstieg ist noch schwieriger, da die Strecke durch den Starkregen der letzten Tage sehr nass ist.

Dann einfach laufen, gehen, Schleim trinken, laufen, gehen, Schleim….. die Zeit vergeht wie im Fluge, irgendwann stelle ich fest: mein Ziel, in 12 Stunden anzukommen, ist schon bei km 60 absehbar erreichbar.

 

Allerdings wird die Muskulatur zunehmend beansprucht und ich kann mich nicht mehr motivieren, nach den Steigungen wieder zu rennen, sondern bleibe im Gehmodus. Meine Freundin Gabi zieht an mir vorbei, aber kein Problem, jeder muss sein Tempo finden und seinen Lauf machen. Bei km 70 lerne ich Ingrid kennen (AK 70!!!) und bekomme von außen zugerufen: renn, dann bis du in unter 10 Stunden im Ziel – meine Laufuhr hat schon vor einiger Zeit ihren Geist aufgegeben.

Ich setze mich aber wieder in Bewegung und wirklich: der wichtigste Muskel ist das Gehirn! Mit 9 Std 57 Minuten komme ich ins  Ziel und heule erst mal vor Freude. 3.260 m Höhendifferenz liegen ohne körperliche Probleme hinter mir. Der Mann mit dem Hammer ist mir nicht begegnet, aber die Motivation wieder herzustellen scheint ab und an schwierig zu sein.

Der Rücktransport nach Eisenach funktioniert problemlos und nach einer Stunde bin ich wieder beim Ausgangpunkt in Eisenach. Schade allerdings, dass es nur relativ  frühe Rücktransporte gibt, die Läuferparty muss grandios gewesen sein.

Ich laufe den Ultra nächstes Jahr wieder- vielleicht schließt sich noch jemand an?!

Es hat Zoom gemacht!

Ulrike


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Lass dich nicht gehen – geh selbst! Magda Bentrup

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