Heiko ging fremd: Rad am Ring – Keine Fahrten im Kreis

Nachdem Markus mich zum x-Male wieder zu einem Event überredet hatte, ging es zum Nürburgring. 24h-Mountainbike-Wettkampf, ich hatte keinen Plan wie das so funktioniert. Logisch hatte ich auch Bammel, denn der EBM in Seiffen mit dem Schultercrash ist immer noch im Geiste zementiert. Nun, ich glaubte der Aussage von Markus – „Es sind nur Luschi-Abfahrten“. Ich nehme es vorweg – so war es nicht.

Nach 7 Stunden Autofahrt sind wir am Nürburgring. Dank der Startnummer dürfen wir direkt auf die Rennstrecke zu unserem Boxenplatz. Marco und Tobias bauen schon fleißig unsere Wechselzone und den „Heimbereich“ für die nächsten 2 Tage auf. Schlafen werden wir in kleinen Zelten und essen, frieren und warten auf den Einsatz im Partypavillion. Hier noch einmal vielen Dank an Marco.

Der Freitagabend läuft entspannt ab, wir grillen, trinken ein letztes Bierchen und genießen die Atmosphäre.

Es ist schon beeindruckend direkt auf einer Formel 1-Rennstrecke zu campieren und auch noch den Wettkampf dort zu erleben.

Müde genug und doch ein bisschen aufgeregt schlüpfen wir kurz vor Mitternacht in das jeweilige Zweimannzelt.

 

 

Samstag früh 06.30Uhr Mist kein Ausschlafen, die ersten Ansagen kommen. Ein paar kurze Wettkämpfe starten bereits 08.00 Uhr. Wir schlurfen aufs Klo, genießen wieder den Moment und inhalieren das letzte normale Frühstück. Marco macht schon Druck – „die und die Zeit, zieht den Finger, wir müssen so und so fahren“.  Ich denke mir so, komm in mein Alter, dann wirst du ruhiger.

Eieiei, der Rettungshubschrauber flog inzwischen das 6-te Mal ins Gelände, und ich hatte die Strecke noch nicht einmal gesehen. Leichtes Unbehagen stieg in mir auf. Wenn ich mir wieder die Knochen zerlege, bekomme ich von Anette ein paar in die Backen.

12.20 Uhr Start. Marco fährt die erste Runde in 21 Minuten – Spitzenzeit. Markus ist der Zweite. Dann bin ich am Drücker. Erst ein Stück auf dem Nürburgring, dann ab ins Gelände. Mit enormen Respekt peile ich die Strecke an. Feldwege geht ja. Denkste, ein Haufen Schotter, schön rutschig.

Wieder ein Stück Straße und nochmals ins Gelände, Anstiege die man nicht mag bis hoch zur Nürburg. Aber eine geile Sicht in die Eifel. Jetzt geht’s los – Single-Trail. Der Bolzen klopft am Schließmuskel, die erste Abfahrt genommen, an der nächsten springe ich vom Rad und renne runter. Ist mir zu „heiß“, kann dabei sogar fahrende Mitstreiter überholen. Trail zu Ende ab aufs Rad und weiter. Es folgt wieder ein Anstieg der irgendwie nie endet, dann wieder Gelände. Wurzeln, Steine alles nichts für mich, aber hier wird durchgezogen. Raus aus dem Wald und drauf auf die Rennstrecke. Dort treffe ich auf die sich quälenden Rennradfahrer. Es geht es wieder mal eine langen Anstieg hinauf. Markus hat hierfür sogar einen Namen, der nicht einmal in Brehms Tierleben zulässig wäre. Jetzt juhu die Zielgerade, was ist das? Elender Gegenwind, auf gerader Strecke nicht einmal 22km/h. Ich warte kurz auf einen Rennradtrupp und lutsche heimlich an den Hinterrädern. Das hilft, 32km/h. Ach Du meine Nase, wo ist die Ausfahrt zu unserem Wechselplatz? Verpasst, das Gelände voller Zelte alle sehen ähnlich aus. Ich suche, verliere Zeit, ärgere mich, suche wieder, finde die Ausfahrt nicht. Jetzt orientiere ich mich grob nach der Himmelsrichtung, fahre querfeldein durch die Zeltlandschaft und finde die Jungs. War mir peinlich, bin aber auch Älter. Vielleicht die ersten Ansätze von Alzheimer. Tobias übernahm noch während des Fahrens die leere Trinkflasche mit dem Transponder und schob sich los. Ich habe die erste Runde unfallfrei überstanden. 14 Runden sollten es dann insgesamt für jeden werden.

So vergingen die Stunden immer im gleichen Wechselmodus. Ca. 1Stunde Pause, die in so einem Wettkampf sich viel kürzer anfühlt. In der Nacht durften Tobias und ich zuerst für 3 Stunden ruhen. Markus und Marco wechselten sich immer ab. Wie die Kampfmaschinen. Ab 03.30 Uhr war Tobias mit mir fällig.

Wir funktionierten trotz Müdigkeit wunderbar, und wurden immer schneller. Die Strecke war mit Fackeln beleuchtet (die elendig gestunken haben), und im Gelände waren vom THW Scheinwerfer aufgebaut. Es sah oft sehr skurril aus. Gegen 06 Uhr kam die Sonne neben der Nürburg hoch. Richtig geile Sicht und die erste Wärme des Tages. Dieser Moment war unbezahlbar. Das trieb die Energie so richtig in den Körper. Inzwischen essen wir auch völlig sinnfrei alles Mögliche, nach dem Motto, wir brauchen Energie. Riegel, saure Gurken, Wurst, Käse, die geile Nudelsuppe von Marco, Schoki, Riegel, Riegel….

Markus und Marco waren ab 8.30 Uhr wieder mit im Rennen. Ein Glück, die Pausen wurden wieder länger. Als 2-er Team sind die Pausen so kurz, da musst du dich zwischen Essen oder Stuhlgang entscheiden. Beides zusammen oder nacheinander geht in die Hose.

Wir genießen jetzt alle wieder die Stimmung auf dem Nürburgring und nehmen die letzten Runden noch einmal Fahrt auf. Zum Schluss haben wir uns, trotz meiner anfänglichen Irrfahrt, auf Platz 15 von 61 Mannschaften gekämpft. Das alles ohne Panne und Verletzungen. Insgesamt sind wir ca. 520km mit harten 9600hm gefahren.

Coole Sache, wir fangen Marco in der letzten Runde ab, und holen uns als Team die Medaillen. Starke Gefühle dieses 24h-Rennens sowie die eine oder andere Red-Bull Büchse durchfließen unseren Körper.

Jungs es hat mir Spaß gemacht, mit Euch zu kämpfen. Ich habe zwar immer noch Respekt vor Down-Hill, aber bin an der Erfahrung es doch noch ein bisschen zu können, gewachsen.

Heiko


Eine Antwort zu “Heiko ging fremd: Rad am Ring – Keine Fahrten im Kreis”

  1. Marcel sagt:

    Sehr schöne Bilder und geiler Bericht. Macht Lust auf auch mal teilnehmen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die Entfernung zwischen Traum und Realität nennt man Aktivität. Hermann Scherer

Letzte Beiträge

Suche