Malerweg nonstopp 2014

Nachdem ich mich eine Woche vom Zugspitz Ultratrail erholt habe, stand ein Wochenendausflug im kleinen Kreise auf dem Programm. Ziel war es den bekannten Malerweg in einem Stück zu bewältigen. Normalerweise handelt es sich hier um einen Wanderweg, der meist in 8 Etappen unterteilt wird. Dieser Weg orientiert sich an historischen Plätzen und Aussichtspunkten aus der Zeit der Erschließung der Sächsischen Schweiz. Auch wir waren schon oft auf dieser Route unterwegs, haben aber nie mehr als 70 km (von Liebethal nach Schmilka) am Stück unter die Füße genommen. Heute stand der komplette Malerweg auf dem Plan. Die Idee stammt von einem Lauffreund, Kersten Leich, mit dem ich schon etliche Kilometer in der Sächsischen Schweiz gelaufen bin.

Kersten hatte den Lauf liebevoll geplant und vorbereitet. Es gab neben Startnummern und einem Höhenprofil für jeden auch eine Marschtabelle, die sich an einem Start beim Morgengrauen (4:06 Uhr) und einem Ankommen mit dem letzten Tageslicht (um 22:06 Uhr) orientierte. Fast plangemäß starteten wir also am Samstag um 4:10 Uhr im Liebethaler Grund. Die Parkplatzsituation war hier, im Gegensatz zu sonst, relativ entspannt.
Leider konnten von den 11 gemeldeten Startern nur 6 Läufer tatsächlich antreten. Neben mir sind zwei weitere Starter eine Woche vorher den Zugspitz Ultratrail gelaufen. Trotz dieser Vorbelastung war ich erstaunt wie flüssig und beschwerdefrei ich laufen konnte. Mein Kumpel Uwe hatte den Lauf leider nicht so gut verdaut und wollte, nachdem er die Woche mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, in Wehlen über den Elberadweg zurück zum Auto joggen. Leider hatte auch Kersten relativ bald mit Knieproblemen zu kämpfen und musste auf der Bastei das Rennen beenden. Für ihn als Organisator war das natürlich besonders schade. Doch Kersten lief zurück zum Auto, ging einkaufen und übernahm für uns die Versorgung auf der Strecke.

Als wir gegen 7:30 Uhr mit der Brandbaude den ersten Verpflegungspunkt erreichten, waren die Wirtsleute noch gar nicht auf Gäste gefasst. Trotzdem fassten sie sich ein Herz und bewirteten uns mit Kaffee und alkoholfreiem Weißbier. Für jemanden der noch nicht seit 2:30 Uhr auf den Beinen ist, mag das wohl eine sehr ungewöhnliche Zeit für so ein Getränk sein. Nach ca. 40 Kilometern traf es leider dann auch Ulf. Nachdem auch er eine Woche zuvor um die Zugspitze gelaufen ist, machten ihm jetzt muskuläre Probleme im Oberschenkel zu schaffen. Ulf wollte dann allerdings auf der anderen Elbseite wieder mit einsteigen. Zu dritt setzten wir nun unsere Reise fort. Jetzt gab Ralf ganz schön Gas und als wir das zweite Mal das Kirnitzschtal am Lichtenhainer Wasserfall erreichten, wartete auch schon Kersten mit dem „Versorgungsfahrzeug“ auf uns. Hier konnten wir unsere Speicher wieder füllen und die Trink-Rucksäcke auftanken.

Bevor wir das Kirnitzschtal nach dem Kuhstall und einer weiteren Schleife endgültig verlassen sollten, legten wir eine weiter Verpflegungspause ein. Ralf war hier nach einem sehr hohen Anfangstempo in ein leichtes Energie-Tief geraten. Wir motivierten ihn mit der Aussicht auf die lange mäßig ansteigende Wanderung auf den Großen Winterberg. An dieser Stelle hatte ich leider ganz vergessen, dass vorher noch das große Pohlshorn mit einem sehr steilen Aufstieg zu bewältigen war. Langsam fing die Sache an etwas anstrengend zu werden, aber wir meisterten das Pohlshorn und bestiegen im flotten Wanderschritt anschließend den großen Winterberg. Der ganze Wald stand voll blühendem Fingerhut, das war ein herrlicher Anblick. Auf den letzten Metern zum Winterberg begann es leicht zu regnen. Oben angekommen haben wir uns kurz auf dem einzigen trockenen Fleck unter einem Baum verschnauft, bevor wir uns auf den Downhill machten.

Dann öffnete der Himmel seine Schleusen. Während des gesamten Abstieges schüttete es wie aus Eimern und der Weg verwandelte sich in einen reißenden Fluss. Ich muss zugeben, dass mir dieser Downhill schon ein bisschen Spaß gemacht hat, auch wenn oder gerade weil es teilweise ziemlich glatt war. In Schmilka unten angekommen, warteten nicht nur Kersten und Ulf mit dem Versorgungsfahrzeug, sondern auch wieder die Sonne auf uns. Ein bisschen schien es als würde sie uns auslachen. Nach einer weiteren Stärkung und der Trockenlegung von Schuhen und Kleidung machten wir uns mit der Fähre an den linkselbischen Teil des Malerweges. Hier ging es zunächst aufs Hochplateau und dann ziemlich eben bis zum Papststein. Auf diesem Abschnitt kamen wir nur noch sehr schleppend voran. Ralf geriet hier immer mehr in einen kritischen Zustand bis ihn beim Aufstieg auf den Papststein die Kräfte dann komplett verließen. Auch hier erwarteten uns wieder Kersten und Ulf. Ralf entschied sich die nächste Etappe erst einmal mit dem Auto mit zu fahren, um nach etwas Erholung später wieder mit einzusteigen.

Jetzt wollte auch Ulf noch einmal auf den Trail. Er begleitete uns ein paar Kilometer auf dem nächsten Teilstück. Durch das relativ geringe Tempo der letzten Kilometer konnten wir etwas Energie einsparen und wieder ein relativ hohes Tempo anschlagen. Nun folgten Gohrisch und Pfaffenstein bevor wir, weit früher als vom Begleitfahrzeug erwartet, in Königstein auf dem Marktplatz ankamen. Von hier aus hatte sich auch Ralf wieder auf den Weg gemacht. Allerdings mit 20 Minuten Vorsprung vor uns. Nach einer kurzen Rast mit Stärkung machten wir uns auf, um über die Festung den nächsten Streckenpunkt in Wehlen zu erreichen. Langsam machte sich die Erschöpfung auch bei uns bemerkbar und die Wander-Anstiege wurden immer mehr. Mit den Rauensteinen lag nun nur noch ein größerer Felsstock vor uns. Langsam begann es auch zu dämmern und wir erreichten Wehlen im letzten Abendlicht. Ralf hatte es bereits vor uns bis hierher geschafft und war schon wieder unterwegs, um auf dem Elberadweg die 100 km voll zumachen.

Uns erwartete dann der direkte Aufstieg aus dem Elbtal, gefolgt von einem schmalen Single-Trail an der oberen Kante bis zum erneuten Abstieg in Obervogelgesang. Da es hier bereits dunkel war, wurde dieser Streckenabschnitt komplett im Schein der Stirnlampen bewältigt. In Obervogelgesang waren wir bereits so euphorisch dass wir glaubten den Malerweg besiegt zu haben. In meiner Wahrnehmung folgten nun nur noch 5 flache Kilometer Elberadweg und Ulf und Kersten stiegen wieder mit ein um den Lauf mit uns zu beenden.

Ralf hatte seine 100 km geschafft und übernahm die Steuerung des Versorgungsfahrzeuges nach Pirna.

Eigentlich hätte man es sich ja denken können, dass die Maler nicht den glattgebügelten Elberadweg bis nach Pirna wählen. Nein, kurz vor der Stadtgrenze knickte der Weg nach links ab und zog sich noch einmal in Serpentinen hoch zum Sonnenstein. Wenn ich diesen Aufstieg noch auf dem Plan gehabt hätte, dann wäre das Tempo auf dem Elberadweg bestimmt bedeutend gemächlicher ausgefallen. Dieser wenn auch relativ kleine Anstieg verlangte Johannes und mir auf den letzten beiden Kilometern noch einmal alles ab. Als wir genau um 23:00 Uhr vor dem Schloss den Malerweg beendeten und zum Marktplatz abstiegen, waren die Akkus restlos aufgebraucht. Geschafft, aber glücklich standen wir nun auf dem Marktplatz und Kersten überreichte uns eine Finisher-Medaille, eine liebevoll gestaltete Urkunde und einige Andenken vom Malerweg. Es war geschafft!

An dieser Stelle muss ich mich noch einmal bei allen Wegbegleitern und vor allem bei Kersten für die tolle Organisation und die super Streckenbetreuung bedanken. Es war ein einmaliges Erlebnis mit tollen Menschen und einer zauberhaften Umgebung.
Wieder ein langer Lauf, der mir für immer in sehr positiver Erinnerung bleiben wird.
Ich freue mich spätestens im August in Charmonix am Mont Blanc einen Teil der Starter wieder zu sehen.

André


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War der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer. Ilona Schlegel

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