Panoramatour Sächsische Schweiz 2011

Etappenlauf Sächsische Schweiz 2011

Hinter mir liegt ein Wochenende voller Extreme. Ich hatte immer schon so meine Probleme mit Bergläufen und mied diese, so gut ich konnte. Eines schönen Abends im Mai kam mir der Gedanke endlich einmal ernsthaft an meinem „Bergproblem“ zu arbeiten. So suchte ich eine Laufveranstaltung, die mich mal so richtig zum Bergtraining zwingt. Gesucht, gefunden, angemeldet: Etappenlauf in der Sächsischen Schweiz! Der Etappenlauf ist eine dreitägige Laufveranstaltung mit folgenden Läufen:

Freitag:      7,8 km – Festungslauf in Königstein (Start 18:30 Uhr, Königstein)
Samstag:  30 km – Sächsische Schweiz Panoramalauf (Start 10:00 Uhr, Bad Schandau)
Sonntag:    15 km – Deutsch-Tschechischer Grenzlauf (Start 10:30 Uhr, Hinterhermsdorf)

Tag 1 – Freitag, 12. August 2011:

Nur noch die Startunterlagen holen und los geht’s. Die Unterlagen für den heutigen Festungslauf sollte es in Königstein geben und die Unterlagen für die Läufe am Samstag und Sonntag in Hinterhermsdorf. So bin ich also nach der Arbeit direkt nach Hinterhermsdorf gefahren, wo man mir mitteilte, dass es die Unterlagen für alle drei Läufe heute in Königstein gibt! Na Mahlzeit! Ganz ruhig bleiben, einatmen und ausatmen … wenn alles andere auch so super klappt, dann kann das ja heiter werden! Naja, ich bekam wenigstens noch ein T-Shirt ausgehändigt und wusste nun definitiv, wo ich am Sonntag hin muss, auch gut.

Nach gut einer Stunde war ich dann wieder in Königstein und fuhr zum empfohlenen Parkhaus am Malerweg. Hui, die Parkgebühren waren heftig, davon kann ich mich ja einen ganzen Tag ernähren, nö, ohne mich. Und so bin ich zurück zur Innenstadt und fand tatsächlich einen kostenlosen Parkplatz. Die Startunterlagen gab es in der Grundschule und da ich nicht alleine war, hieß es Schlange stehen. Nachdem ich die Unterlagen für den heutigen Festungslauf bekommen hatte, stellte ich mich an einer weiteren Schlange an, um die Unterlagen für die Läufe am Samstag und Sonntag zu holen. Endlich war ich dran. Wie jetzt, Sie wollen 20,- Euro Leihgebühr für den Chip!? Ach was, das stand im Internet!? Ich habe gerade mal 15,- Euro dabei, vermerken Sie das und dann ist’s erledigt. Nein! Na Mahlzeit! Ganz ruhig bleiben, einatmen und ausatmen … morgen ist ja auch noch ein Tag.

Draußen fing es an zu regnen. Die Uhr ging auf 18:30 Uhr zu, die letzten Läufer gaben noch fix ihr Gepäck ab und dann ertönte der Startschuss. Nach einem kleinen Kringel durch Königstein ging es hinauf zur Festung, hoch und hoch und hoch, 255 Hm. Der Weg bot alles: Matsch, Pfützen, Steine und eine Steigung zum Heulen … es war hart! Ich musste doch Kräfte sparen für die morgigen 30 km, aber wie, wenn’s nur hoch geht!? Es dauerte nicht lange und meine Beine waren Brei. Ich hielt mir immer wieder die morgigen 30 km vor Augen und schließlich kam ich zu dem Schluss: ich mache morgen nicht mit! Meine Anmeldung für den Etappenlauf war eine saublöde Idee, das packe ich niemals! Berge sind einfach nicht meins

Nach der Aufwärtstortur ging es recht flach am Fuße der Festung entlang, toll, das nenne ich laufen. Aber zu früh gefreut, der letzte Anstieg – hinein in die Festung – kam nach wenigen Minuten und kostete mich die letzten Kräfte. Ja, das war’s dann wohl, ich bin morgen definitiv nicht dabei! Nach dem letzten Anstieg folgten noch 1,8 km auf dem Plateau der Festung und dann war ich im Ziel – völlig unschlüssig über meine Kraftreserven und überhaupt.

Die Umkleidemöglichkeiten waren sehr rustikal. Das Gepäck stand zur Selbstbedienung im Dachgeschoss eines Festungsgebäudes und wer seine Tasche gefunden hatte, konnte sich glücklich schätzen und wer sich umziehen wollte, der tat das eben an Ort und Stelle.

Um 20:00 Uhr begann die Siegerehrung und da ich ja nun einmal da war, schaute ich mir diese auch an. Und dann kam die 180-Grad-Wende:

Vor der Siegerehrung fand eine Verlosung statt. Der „1111. Finisher“, der „222. Teilnehmer“ und die „333. Teilnehmerin“ gewannen jeweils zwei Freikarten für das ISTAF am 11. September 2011. Ja, und ich war sie, die 333. Teilnehmerin!!! Und so stand ich mit den beiden Herren oben auf der Bühne und wir bekamen unseren Preis übergeben. Da denkt man immer, so was passiert nur anderen und dann ist man plötzlich mitten drin, das vergesse ich so schnell nicht!!! Im Zuge der Siegerehrung durfte ich dann ein weiteres Mal nach oben auf die Bühne: AK3 (Einzellauf). So, Kehrtwende, ich laufe morgen doch!!!

Tag 2 – Samstag, 13. August 2011:

Ich schlief die Nacht nicht gut. Immer wieder ging mir durch den Kopf, dass mein letzter langer Lauf schon drei Wochen zurücklag. Ich fühlte mich absolut unsicher. Meine Beine wollten definitiv keine 30 km laufen, aber sie mussten, schließlich hatte ich bezahlt!

So war ich pünktlich in Bad Schandau, erwischte noch einen der kostenlosen Parkplätze und holte mit 20,- Euro Leihgebühr bewaffnet endlich meine Startunterlagen ab.

Wir starteten pünktlich um 10:00 Uhr auf dem Elberadweg in Bad Schandau. Zunächst ging es 3 km flussaufwärts, dann kam eine Wende und es ging wieder zurück. Meinen Beinen ging es solala. Nach 6 km verließen wir den Elberadweg und tauchten ein in das Elbsandsteingebirge, wo der erste Dämpfer mit aller Härte kam: die Treppe zum Lutherweg mit über 100 Stufen. Doch damit nicht genug: es fing an zu schütten, Petrus hatte kein Erbarmen. Binnen kürzester Zeit waren wir alle komplett durchnässt. Ungeheure Selbstmotivation war jetzt gefragt, nur wie motiviert man sich, wenn die Beine Grütze sind, das Wasser in den Schuhen steht und man einfach keinen Bock mehr auf das Berggelaufe hat!?

Für einen kurzen Augenblick vergaß ich alles und schaute dem Wasser zu, das wellenartig die Straße herunterlief. Dann lief ich ein kleines Stückchen gemeinsam mit einer anderen Etappenläuferin. Da aber ihre Beine weit besser regeneriert waren als meine, hatten wir eine nur kurze Unterhaltung. Vorbei am Gasthaus Falkenstein, Liebentor, Untere Affensteinpromenade, Zeughaus, Thorwalder Brücke, Rapinzenberg und Lindigtstraße ging es durch wunderschönste Natur immer näher Richtung Ziel in Hinterhermsdorf. Das Läuferfeld war weit auseinander gerissen, so lief ich streckenweise alleine ohne jemandem vor oder hinter mir zu sehen. Verpflegungspunkte gab es aller 5 km mit Iso, Cola, Wasser, Schokolade und Bananen.

Meine Beine zwangen mich immer und immer wieder zum Gehen. Ich freute mich über jedes einzelne km-Schild, dass ich passierte. Und egal, wie es mir ging, ich musste da jetzt durch. Bis 16:00 Uhr hatte ich Zeit, dann würde der Shuttle-Bus fahren, das sollte zu schaffen sein.

5 km vorm Ziel schloss ich auf eine lustige Herrenrunde auf. Das Tempo passte und so gingen, liefen und fluchten wir gemeinsam. Leute, das war echt spitze! Die Beine zitterten, ich war immer noch klatschnass, aber es würde in wenigen km geschafft sein. Das Ziel rückte immer näher und letztlich war die längste Etappe absolviert! AK4 (Einzellauf).

Mit dem überfüllten Linienbus ging es dann wieder zurück nach Bad Schandau und dann drehte ich völlig frei: ich warf mein Ziel, den Etappenlauf einfach nur bestehen zu wollen, mal eben über den Haufen und liebäugelte nun mit AK3 in der Gesamtwertung. Sowas bescheuertes! Ich hatte Gummibeine und wollte noch mal durchstarten, wie soll das denn gehen? Vor allem wollte ich gestern noch aufhören und jetzt durchstarten, was ist das denn?

Zu Hause angekommen stopfte ich Unmengen Nudeln in mich rein, dehnte ausgiebig und ab ins Reich der Träume, wo ich auch schlagartig war.

Tag 3 – Sonntag, 14. August 2011:

3:50 Uhr des nachts bin ich aufgewacht, mein Magen knurrte!!! Hä? Gut, dann halt was essen, ja und was verdammt um diese Zeit? Joghurt. Anschließend bin ich sofort wieder eingepennt.

30 min vorm Wecker bin ich munter geworden und blitzartig aufgestanden. Ich wollte einfach nur noch los – auf zur letzten Etappe. Keine Ahnung, wo diese Power herkam, aber ich wollte laufen. Lächerliche 15 km noch und ich hätte unglaubliche drei Tage Bergläufe überstanden. Schön wäre natürlich AK3, aber wenn nicht, dann halt nicht.

Es war super Wetter, die Sonne schien und meine Schuhe vom Freitag waren wieder trocken. Ich hatte Pudding in den Beinen, aber meine Motivation überwog. Wie bescheuert muss man eigentlich sein, wenn man da ernsthaft an große Sprünge glaubt? Pünktlich um 10:30 Uhr war der Start und es ging zunächst nur bergab nach Neudorf. Wenig später ging es allerdings wieder bergauf. Vorbei am Gasthaus Obermühle, Weifberg, über die Landesgrenze, zum Wachberg und zurück zum Weifberg ging es durch unwegsames Gelände. Konzentration war oberstes Gebot. So machten sehr rutschige Streckenabschnitte mit Wurzelwerk, Moos, nassen Holzbrücken und -stufen den Lauf sehr gefährlich. Es gab Verpflegungspunkte bei km 5 und km 13 mit Iso, Cola und Wasser. Ich lief wieder in einer Herrengruppe und hatte das Gefühl, dass es trotz Puddingbeine ziemlich gut lief. Ich dachte nur noch ans Ziel und rannte und rannte, unglaublich, was da plötzlich noch ging. Die letzten 400 m ging es nur bergab und ich flog nahezu. Unfallfrei lief ich ins Ziel und freute mich tierisch den Etappenlauf geschafft zu haben.

Völlig fremde Läufer kamen auf mich zu und klatschten ab, wir gratulierten uns gegenseitig und anschließend kippte ich becherweise Cola in mich rein. Im Festzelt fand später die Siegerehrung des Einzellaufes statt: AK1 – oops!?

Die Siegerehrung des Etappenlaufes erfolgte mit jeweils einem Tusch live gespielt von den Sachsenländer Blasmusikanten e.V. aus Sebnitz und der Urkundenübergabe durch Adi. Den Etappenlauf beendete ich mit insgesamt 05:24:21 h, AK2.

Fazit:

Eine super Sache!!! Drei anspruchsvolle Läufe durch die schöne Natur der sächsischen Schweiz. Jeder einzelne Lauf hat mich ordentlich herausgefordert und bestätigte das Motto: nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch 😉

Janka Jäkel


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War der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer. Ilona Schlegel

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