Saar-Hunsrück-Supertrail 2014

Von Idar Oberstein nach Trier – 128 km mit 3.500 Höhenmetern

Der Veranstalter schreibt:

Schon der frühmorgendliche Start an der mittelalterlichen Burgruine mit dem restaurierten Turm bei Kempfeld nahe Idar-Oberstein im jungen Maigrün des dortigen Buchenwaldes lässt das Herz des Romantikers höher schlagen.

Der Trail verläuft über bizarre Felsformationen in tiefe Täler mit wunderbar gewundenen Bächen mit kristallklarem Wasser, tangiert ganz unterschiedliche Waldformationen, Hochmoore, Wiesen und Felder und bietet Plätze mit eindrucksvollen Fernsichten.

Dies ist der Grund, weshalb der Saar-Hunsrücksteig vom Deutschen Wanderinstitut mit dem Prädikat „schönster Deutscher Fernwanderweg“ ausgezeichnet wurde. Es ist der enorme Abwechslungsreichtum der Streckenführung.

Ständig geht es hoch und runter, vornehmlich fern der Zivilisation, wo unter anderen Wildkatzen beheimatet sind, und sogar die seltenen Schwarzstörche und Fischadler wieder ihre Refugien haben.

Die größte Erhebung im linksrheinischen Deutschland, der Erbeskopf (818 m) mit seiner beeindruckenden Fernsichtmöglichkeit wird passiert, am Siegfriedsbrunnen geht’s vorbei. Es ist der Platz, an dem der mittelalterliche Held Siegfried vom finsteren Hagen von Dhronje ermordet wurde. (Die Ortschaft mit gleichnamiger Burg Dhronecken liegt nur wenige km vom Tatort entfernt).

Über Waldgebiete, die strengstem Naturschutz unterliegen, wo also keine Forstwirtschaft betrieben wird und nur die Natur die weitere Entwicklung bestimmt, verläuft die Fußreise auf steinigen Pfaden zum größten Keltischen Ringwall Europas aus dem 6. Jahrhundert vor Christus.

Kurzum, der Teilnehmer bewegt sich sowohl in den schönsten mittelgebirgigen Waldlandschaften als auch auf Gebieten mit kulturhistorisch höchstem Niveau Deutschlands.

7 gute Gründe, die diesen 2-tägigen Etappenlauf so interessant machen:

  1. er findet auf dem gegenwärtig schönsten Fernwanderweg Deutschlands statt.
  2. er bietet dem erfahrenen Trailrunner eine wunderbare Trainingsmöglichkeit im Kreis von Kollegen und Freunden.
  3. er bietet für den trailinteressierten Laufbeginner die ideale Gelegenheit, im Kreis von gleichgesinnten Kollegen und erfahrenen Ultra-Läufern seine theoretischen Kenntnissse in die Praxis umzusetzen.
  4. er bietet den cut-off-Zeiten unfroh gegenüber stehendem Läufer die Möglichkeit, das Rennen mit Gelassenheit anzugehen und ohne Hetze eins mit der ihn umgebenden Natur zu sein.
  5. er findet die Tage nach Christi Himmelfahrt in einer Rumpfwoche statt, was Urlaubstage sparen hilft.
  6. er bietet die Möglichkeit, auch naturbegeisterten Begleitern Freude zu bereiten, die das Rennen hautnah verfolgen können, indem sie an Verpflegungsstellen leichte Helfertätigkeiten ausüben.
  7. er bietet durch das auch außerhalb des Rennens intensive Zusammensein der Teilnehmer die ideale Möglichkeit, sehr nette Leute kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen.

Donnerstag, 29.05.2014

Nach knapp 6h Autofahrt bei Dauerregen – Ankunft im Gästehaus Braunshausen bei trockenen Verhältnissen, direkt neben der Sommerrodelbahn. Juchuuuu. Ich freu mich! Dennoch macht sich leicht die Nervosität breit und wir diskutieren, warum das bei mir nach so vielen Wettkämpfen immer noch anhält. …
18 Uhr – Ausgabe der Startunterlagen. Ich bin in Startwelle 1. Tja, eben eher die „Wandergruppe“, denn die Schnellen starten 1,5h später: 08:30 Uhr. Diese Zeit wäre mir natürlich wesentlich sympathischer.
19 Uhr – Abendbuffet. Ich hab keinen Hunger und esse lediglich aus Überzeugung. Schließlich gönne ich mir ein Gläschen Wein. Wirkung stellt sich schnell ein. Ich werde ruhiger und schläfrig. Naja, schau‘n wir mal was die Nacht bringt.

Freitag, 30.05.2014

Wie zu erwarten – schlecht geschlafen. 04:44 Uhr aufstehen und frühstücken.
06:00 Uhr fuhr der Bus ab zum Startort. 07:00 Uhr Start in Idar Oberstein. Ich hielt mich an die ersten 3 Männer, da mir das Tempo moderat erschien. Nach 2km hätte ich mich fast das erste Mal verlaufen, aber ein Läufer rief mich gleich zurück. Ufff – nochmal gut gegangen! Ich bedankte mich und reihte mich gleich hinter ihm ein.
Der erste Mann hatte das Tempo bereits angezogen so lief ich weiter mit Frank, dessen Tempo ich recht gut für mich fand.

Nach dem Start wurde erstmal eine Runde durch den Wald gelaufen (inkl. der ersten Hm), so dass ich einfach nur am Start zu warten brauchte und das sortierte Feld automatisch noch mal an mir vorbei kam. Da es doch noch recht frisch war (ca. 5 Grad), lief ich erstmal selbst ein kleines Ründchen durch den Wald. Der erste Läufer kam nach ca. 40min. nur 2min später trabte plötzlich Andrea durchs Gebüsch. Ups! Da hatte ich die Kamera gar nicht startklar. Traditionell hinten startend, verhalten beginnend (man hat ja schlecht trainiert, schlecht geschlafen, schlecht gegessen, das Wetter, und überhaupt…) hatte ich noch gar nicht mit ihr gerechnet. Aber gut, wenns läuft soll man laufen lassen. Ich rannte hinterher, machte paar Bilder und verabschiedete mich beruhigt. Sie hatte erstmal Begleitung. Ich fuhr nach Koblenz zum Radhändler meines Vertrauens. Aber nichts kaufen, lautete der nette Abschiedsgruß meines Lieblings.
Bei Canyon angekommen, hätte ich am Liebsten 4 Räder eingepackt. Ein Rennrad, eine Zeitmaschine für Triathlon, ein Crossrad für den Winter und ein Mountainbike. Da der Verkäufer es mir nicht so zusammenpacken konnte dass es ins Auto passt, war ich bockig und hab gar nix gekauft. Das hat er nun davon. 

Nach 10km sind wir dann beide falsch abgebogen. 🙁 Also kehrt, Berg wieder hoch. (War so ca. 1km.) Ähnliches passierte uns nochmal an einem Fischteich, (an dem uns die Angler „böse“ Blicke zuwarfen).
Nach 25km hatte ich ein kleines Tief und spielte mit dem Gedanken Frank allein weiter laufen zu lassen und bissl raus zu nehmen. Allerding lies meine schlechte Orientierung diesen Gedanken sofort streichen! Wir liefen fast ausschließlich auf dem gut ausgeschilderten SH-Steig. Dennoch erforderte es volle Konzentration und ganz genau hinschauen. Die Schilder sind sehr klein und hin und wieder folgten wir auch den Pfeilen des Veranstalters. Ich hatte noch nie zuvor so viele Schwierigkeiten einer Ausschilderung zu folgen. Als Frank mir dann auch noch erklärte, dass er morgen nicht mehr läuft sondern einen VP-Stand betreut, geriet ich gedanklich in eine Schieflage und dachte sofort daran evtl. morgen auch nicht an den Start zu gehen. Naja, hab ja noch Zeit, bissl drüber nachzudenken…
Auf jeden Fall hatten wir viel Spaß bei unseren Gesprächen und so verging die Zeit relativ schnell und km um km kamen wir dem Ziel näher. Nach dem Anstieg auf der Skipiste waren die meisten Hm geschafft. Ich fing an, die Trails in vollen Zügen zu genießen. Juchuuuuuu……. Dennoch hieß es weiter: volle Konzentration auf die Ausschilderung.
Wir erreichten die letzte VP, die gerade aufgebaut wurde. (Glück gehabt, dass ich nicht schneller war – grins).
Nach 60km drehten wir erneut eine Zusatzrunde um einen kleinen See. Schei….! Jetzt bloß nicht drüber nachdenken! Weiter, weiter, weiter….

Auf dem Rückweg zur Strecke überlegte ich, wo Andrea gerade sein könnte. Der Versuch eines Anrufes scheiterte am fehlenden Netz (ich hatte noch nirgendwo solch schlechten Empfang wie in dieser Gegend). Die letzte Status SMS war über 2h her. Nach Strecken- und Kartenstudium entschloss ich mich kein Risiko einzugehen. Zum Schluss gehts eh am schwersten, ich fuhr also zum Ziel, zog mich um und lief Andrea entgegen. Hat auch direkt geklappt. 6km vor dem Ziel war der SH-Trail zu verlassen und es ging über Straßen bis zum Ziel. Genau an der Stelle traf ich immer noch auf eine relativ gut gelaunte in Begleitung laufende Ultraläuferin, Bis dahin war erst ein Mann durch, nicht schlecht. Wir liefen gemeinsam ins Ziel und genossen dort die Sonne. Wärend Andrea duschen ging, checkte ich die später kommenden Läufer. Andrea und ihr Begleiter hatten gegenüberd dem Rest gut eine Stunde rausgelaufen, starke Leistung. Dann trudelten so nach und nach die 2h später gestarteten Läufer der zweiten Startgruppe ein. Ein Blick in die Ergebnissliste. 2 Frauen waren etwa eine halbe Stunde schneller, dann kam schon Andrea. Alles klar. Treppchen in Sicht!

6km vorm Ziel wartete Tilo auf uns. Es waren die Härtesten dieses Laufes, denn zum Abschluss ging es noch mal ordentlich bergan. Ich hatte bereits angekündigt, dass ich dieses Stück gehen werde. Die Männer animierten mich immer wieder doch noch bissl zu laufen. Schließlich entdeckte Frank hinter uns einen Läufer. „Von dem wirst du dich doch nicht kassieren lasen!“, meinte Frank und puschte mich den Berg hoch. Obwohl ich absolut am Ende mit meinen Kräften und meiner Puste war, setze ich erneut zum Laufschritt an und gab echt das Letzte…. Geschafft.
Nach 8h 11min stoppte die Uhr. Fix und fertig, aber glücklich!
Der Läufer hinter uns kam aus der 2. Läuferwelle und brauchte für diese Strecke 6h 25min – Der Hammer!!!
Beim Abendbrot diskutierten wir meine morgige Teilnahme. Ich hatte echte Panik mich mega oft zu verlaufen. Für Tilo kam ein Abbruch nicht infrage. Er machte mir den Vorschlag, zu fragen, ob ich morgen in der 2. Läuferwelle starten kann. Dann hätte ich zumindest eine geringe Chance, mich an einen Läufer meines Tempos zu hängen. Nach einigem Zögern stimmte ich zu.
Ja es klappte. Morgen fährt mein Bus 07:30 Uhr= juchuuuuuuuuuuu länger schlafen!  😉
Ich genoss den Rest des verbleibenden Abends!!!

Samstag, 31.05.2014

Die Streckenbeschreibung ließ etwas Panik in mir aufkommen. Einiges verstand ich nicht, anderes deutete darauf hin, dass falsch laufen vorprogrammiert war.
Ich musste also einen gleichstarken Läufer suchen, der mich bei der Streckenfindung unterstützte.

Die Streckenbeschreibung war wirklich nicht zeitgemäß. Da der Veranstalter noch einen Lauf in der Gegend organisiert (mit gleichfarbigen Pfeilen als Markierung), musste man den Pfeilen manchmal folgen, manchmal nicht. Eine andere Farbe hätte da schon mal geholfen. Eine Streckenkarte gab es gar nicht, nur der link auf den offiziellen Wanderweg. daran konnte man sich als Nichteinheimischer aber sehr schlecht orientieren, Kilometerangaben fehlten ganz. Und das zu Zeiten von GPsies und Google Maps. Da muss der Veranstalter dringend nachbessern. Ich nahm mir vor an den neuralgischen Stellen möglichst vor Ort zu sein.

Heute war ausschlafen angesagt. Kurz nach 6Uhr standen wir auf, gingen frühstücken und warteten auf den Bus. Dieser kam relativ pünktlich 07:30 Uhr und brachte uns nach Trier. Dort wurden wir 08:30 Uhr auf den Saar-Hunsrück-Steig geschickt. Die schnellen Läufer waren entsprechend schnell außer Sicht, da machte ein Läufer neben mir darauf aufmerksam, dass (entsprechend dem Herdentrieb) die Läufer vor uns den falschen Abzweig genommen hatten. Wer noch in Rufweite war, kam zurück, alle anderen hatten dann „etwas mehr km auf der Uhr“ und überholten uns später „angesäuert“.
Ich hielt mich an eine Gruppe von 5 Läufern und hoffte das Tempo halten zu können. So entging ich einige male falsch zu laufen.
Nach 15km musste ich sie allerdings ziehen lassen. Das Tempo konnte ich nicht halten. Ein weiterer Läufer aus der Gruppe entschied sich ebenso und nahm Tempo raus. So hatte ich weiter sehr angenehme Begleitung. Und 4 Augen sehen ja bekanntlich mehr als zwei.
Als wir später an einer VP Tilo trafen, drängte er, mich abzusetzen und mein eigenes (aus seiner Sicht schnelleres) Tempo zu laufen. Doch die „Verlaufangst“ saß mir im Nacken!

Das Ziel war klar. 30 min auf die beiden Führenden war zu viel. Also Platz 3 sichern. Als Andrea bei km 20 kurz hinter den beiden durchlief, war nur noch eine Frau in der Nähe. Bedeutete, mit der mitlaufen und alles ist „geritzt“.

Nach knapp 35km musste meine „Begleitung“ allerdings weiter das Tempo entschärfen aufgrund sich einstellender Fußprobleme.
Ich nahm allen Mut zusammen und machte mich allein auf den Weg. Bereits kurze Zeit später schwächelte mein Geist und ich geriet in ein mentales Tief. Es ging stetig bergauf und die Sonne gab ihr Bestes. Ich verspürte extremen Durst und Hunger obwohl ich nichts runter bekam.

Mhm. Andrea schwächelte mental und lies die dritte Frau ziehen. Das alles nur, weil sie nicht allein laufen wollte. Der Abstand war nicht groß (2-3min), ich wusste aber nicht wie viel die gestern hinter Andrea war. Also motivieren, damit der Abstand klein bleibt.

Nach 48km ein Hinweisschild zu einem Gasthaus. Sofort war klar: Dort halte ich an und gönne mir einen Kaffee. Diese Idee trieb mich weiter voran und plötzlich stand Tilo im Wald. Supi! Er bekam sofort den Auftrag vor zu laufen und den Kaffee schon mal zu bestellen. Dass er irgendwie irritiert war nahm ich zwar war, scherte mich jedoch nicht weiter drum.
Beim Erreichen den nächsten Verpflegungstelle war klar: Das Gasthaus lag nicht an unserer Laufstrecke und Tilo wusste nicht wovon ich redete. Am VP gab‘s Bier – die perfekte „Entschädigung“!
Frisch gestärkte kamen Motivation und Kraft zurück und ich genoss in vollen Zügen den nun folgenden Trail durch den Wald.
An der Staumauer wartete Tilo wieder und zeigte mir den Weg. (Die Beschreibung dieser Stelle war nur Insidern klar. Zu dieser Zeit fehlte mir schon zu viel Sauerstoff im Hirn, denn ich erkannt die Staumauern nicht einmal ….)
Und schon verließen wir den SH-Steig und es ging Richtung Ziel nach Braunshausen. Die letzten km waren bekannt vom Vortag.

Die letzten km fing sich Andrea und lief noch mal super. Zieleinlauf bei schönstem Sonnenschein. Ganz stark! Ein paar Minuten später kam plötzlich erst die bis dahin dritte Frau. Sie hatte sich auf den letzten km noch einmal verlaufen (auf der Vortagesstrecke, wie geht das denn?). Damit war schlagartig klar, Andrea auf Platz 3! Kurze Zeit später stellte sich heraus, die war am Vortag gar nicht am Start. Deshalb war sie so gut drauf.

Bei schönstem Sonnenschein machte ich mich auf der Wiese breit und Tilo erfüllte mir alle Essens- und Getränkewünsche. Perfekter Service – vielen Dank!
Kurze Zeit später gab‘s die Siegerehrung. Was ich nicht für möglich gehalten hatte, wurde nun Realität: 3. Frau in der Gesamtwertung. Ich war überglücklich und auch ein bisschen stolz.

Zur Siegerehrung gab es einen recht bekannten Pokal. Es hieß nämlich: And the Winner is….
Hollywood lässt grüßen.

Abschießend kann ich folgendes zusammenfassen:

Der Saar-Hunsrück-Steig ist ein wirklich tolles Laufgebiet mit traumhaften Aussichten, idyllischen Plätzen, Wellnessbänken, die zum Verweilen einladen und wirklich schönen Trailstrecken. Die Ausschilderung ist nicht immer ganz eindeutig, das Hinweisschild auch sehr klein und an manchen Kreuzungen ist überhaupt nicht klar, wo es nun lang geht. 2x zeigte der Pfeil sogar in eine falsche Richtung.
Es grenzt also schon ein bisschen an einen Orientierungslauf und wer sehr gut sehr weit vorausschauen kann, ist echt bevorteilt. (Diese Sehschärfe erreiche ich mit meiner Brille leider nicht).
Das Organisationsteam ist recht klein, daher gibt es kein „Rundum-Sorglos-Paket“. Dafür trägt die Veranstaltung einen sehr familiären Charakter.

Andrea und Tilo Heschel


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„Laufen ist ein Naturheilmittel, eine natürliche Droge und der gesündeste Weg der Stresskompensation.“ Herbert Steffney

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