Salomon 4Trails 4.7.-7.7.2012 Garmisch nach Samnaun

Ich wurde im Vorfeld, als auch nach erfolgreichem finishen der 4Trails oft gefragt aus welcher Motivation heraus man sich so etwas „antut“ !?

Eine Antwort zu geben fiel mir lange Zeit sehr schwer, denn es geht nicht im Ansatz darum zu gewinnen, weniger um Anerkennung, schon mehr um das Feeling einer so perfekt organisierten Veranstaltung, die malerischen Trails in den Alpen und auch etwas darum die eigenen Grenzen zu erfahren.
Bringt man das auf einen Nenner könnte man es abkürzen und sagen – Ich hatte einfach Bock drauf 🙂
Das ursprüngliche Ziel, den „Goretex – Transalpin“, konnte ich in Ermangelung eines Teampartners für dieses Jahr relativ schnell ad acta legen und somit war eine mehr als würde Alternative „Die SALOMON 4 TRAILS“, immer näher in den Blickpunkt gerückt.


Der Trainingsplan gestaltet sich ähnlich, eine gewisse Grundsportlichkeit vorausgesetzt, ein halbes Jahr und dreimonatiger Pre-Wettkampf Intensivierung. Für mich war es durch den Assistentenlehrgang und gewisse Verpflichtungen im Produktionsvorgang der viel zitierten langkettigen Kohlenhydrate eine kleine logistische Meisterleistung das Trainingspensum pro Woche konstant über 70 Kilometer zu halten. Diese wurden größtenteils an den Wochenenden ( >30 KM Strecken) oder in den Abendstunden der Woche absolviert. Zum Ausgleich auch mal eine gemütliche Runde auf dem Rennrad/Mountainbike oder eine Schwimmeinheit, meine Couch war in dieser Zeit mehr Raumfüller als Sitzmöglichkeit.
In der Endphase sogar 3 Wochen mit über 100 Kilometer pro Woche, die Knie schmerzten schon ganz schön. Alles in allem fühlt man sich wohl ohne Erfahrung und Vorstellung über das Laufen im Gebirge und die damit verbundene Mehrbelastung als Dresdner Elbtalläufer, immer schlecht vorbereitet. Eine Woche vor Start gab es dann noch einen Magen-Darm Virus dazu und ich verlor die letzten 2 Kilo zum optimalen Wettkampfgewicht, meine Knie waren schmerzfrei – Prima!

Dienstag, 3.07.2012   Anreisetag

Ankunft in Garmisch-Partenkirchen am Hotel gegen 15 Uhr, Tilo und Andrea waren schon seit Montag da, kurzes einchecken und dann ging es zum gemeinsamen Spaziergang Richtung Startunterlagenausgabe. Da noch Zeit war, wurde die Zeit für einen Kaffee und etwas exklusiv für mich, einem großen Stück Käsekuchen genutzt. Ich erntete etwas verächtliche Blicke, aber mit der Aussicht auf den Verlust von mehreren tausend Kalorien die nächsten Tage ließ ich es mir schmecken 😉
Startunterlagenausgabe
Dort wurde mir dann das erste Mal richtig bewusst auf was ich mich eingelassen hatte, etwas zögerlich nahm ich die Unterlagen und eine Reisetasche vollgepackt mit Werbezeugs und der Startnummer entgegen. Ein Gutschein vom örtlichen Sportartikelhersteller wurde zeitnah in dessen Filiale auf den Kopf gehauen und resultierte im Erwerb vom Salomon S-Lab Gaiters (eine Gamasche für den Schuh, sie schützt indem sie den Eintritt von Steinchen und Schlamm vermeidet). Das sind wieder ein paar Zehntel, sagte ich und musste selber lachen. Im Nachhinein waren die Teile aber Gold wert und ich würde keinen Trail mehr ohne laufen ( Danke Andrea 😉 )
Am Abend war dann im Rahmen des mir unendlich erschienen Briefings für die nächsten Tage, dass gemeinsame Abendessen. Meine langsam aufkeimende Aufregung wurde von der Müdigkeit, wegen der langen Anreise übertroffen. Somit verfolgte ich das ganze zunehmend desinteressiert und sehnte mich nach meinem Bett. Der Wunsch wurde erfüllt und um 22 Uhr fiel der Hammer.

  1. Etappe von Garmisch-Partenkirchen nach Ehrwald

Kilometer: 36,30 km Aufstieg: 2410 Hm / Abstieg: 2113 Hm Startzeit: 10:00 Uhr
Ein Auf und Ab als Warm-Up

Der Wecker klingelte dann am nächsten Morgen erst mal nicht, er war gar nicht an, so ist das wenn einer sich auf den anderen verlässt. 🙂
War aber alles kein Problem, ich konnte eh nicht mehr schlafen, mein Magen trommelte ein kleines Solo – Frühstück, 8 Uhr.. schöne Zeit .. ich stopfte alles in mich rein was das morgendliche Buffet im Angebot hatte. Danach umziehen und nochmal schnell den Rucksack checken, der war Pflicht! Ausrüstung die mitgeführt werden musste: lange Hose, langes Shirt, Regenjacke, Handschuhe, Mütze, Handy, Hilfe-Set, Ausweis, Trailbook, Getränke(min.1,5 Liter)/Verpflegung. In Anbetracht von gefühlten 2 Litern Stauraum, war das Ganze dann etwas auf Spannung gepackt und ich war sehr bestrebt es bei der Kontrolle am Start nicht wieder auspacken zu müssen. Mit der Angst im Nacken spähte ich den vermeintlich großzügigsten Kontrolleur am Check in aus und lotste sogleich Andrea zu mir. Der Plan ging auf, der Kollege fragte „ alles dabei“ ??? Ich nickte nur treu doof und wurde direkt durch gewinkt, Andrea folgte direkt hinter mir … juhu, erster Tagessieg und die ganze Aufregung umsonst, jetzt war ich heiß aufs laufen! Der Start wurde 10 Minuten später durchgeführt, um am Bahnübergang nicht vor geschlossener Schranke zu stehen.
Wenige Minuten später ertönte der Song „Highway to Hell“ und es ging bei strahlendem Sonnenschein und 20°(später wird es brutal warm) die ersten Kilometer auf flacher Strecke, raus aus Garmisch. Dumm nur, dass der Zug auch Verspätung hatte und ein Großteil des Feldes eine kleine Zwangspause einlegen musste. Bis zur ersten Verpflegung waren 9 Kilometer/570 vertikal /270 Meter runter zu bewältigen, das erschien mir machbar, ich lief hoch motiviert in den Berg rein und wunderte mich, dass die ersten vom Laufen zum zügigem Gehen über gingen – nach ca.100 hm und gefühlten 45 Grad Steigung ließ ich mich überzeugen,  versuchte mein Tempo zu finden und fand mich damit ab, daß es wohl nur den ersten 10 Wertungsläufern vorbehalten war solche Berge im Laufschritt zu bewältigen 🙂
An der Verpflegungsstelle stopfte ich mich voll Melone und nahm das nächste schwere Bergstück in Angriff. Da oben angekommen und mit den Worten empfangen „höchste Bergspitze des Tages“ übertrieb ich es dann wohl etwas beim Abstieg. Auf dem technisch relativ schwierigen Abstieg nach Hammersbach, ich fühlte mich dennoch sehr sicher, überholte ich viele Läufer und forcierte das Tempo wohl deswegen etwas zu hoch, wie mir die Erfahrung der nächsten Tages bestätigte.
Im Tal angekommen traf ich auf meine Begleiter, Tilo schloss sich mir für die nächsten Kilometer Richtung Eibseealm an. Ich versuchte auf moderat ansteigender Strecke etwas zu regenerieren und verfiel in einen Ermüdungstrott, Tilo startete einen kleinen Dialog zur Selbsterkenntnis:
„jetzt wäre der Moment gekommen!“, „Moment?“ „wo wir wieder anfangen sollten zu Laufen!“
Ich ärgerte mich schon sehr, dass ich extra daran erinnert werden musste und deswegen begleitete mich diese kleine Plauderei auch auf den nächsten Etappen und kam immer wieder hoch wenn es „Zeit war, los zu laufen“!! Danke dafür Tilo!
An der nächsten Verpflegung überließ er mich wieder meinem Schicksal und rannte zurück um seine Frau zu begleiten, ich überquerte die Grenze nach Österreich zwischen „Riffelriß“ und „Hohes Egg“ auf dem nächsten Gipfel und noch zwei weitere giftige Anstiege auf Skipisten (Schade, dass die Skier fehlten!), bevor ich die erste Etappe mit einigen, für die nächsten Tage, sehr hilfreichen Erkenntnissen und einem ganz gutem Gefühl im Bauch beendete.
Bei 6:17h  und 5500kcal stoppte die Uhr und nach 20 min. im Entspannungsbrunnen der Zielankunft in Ehrenwald ging es dann ins Quartier, zum Duschen, Laufsachen Waschen und entspannen! Eine Stunde nach meiner Zielankunft goss es wie aus Eimern, ich war froh ein Dach über dem Kopf zu haben!
Letzter Akt des Tages, Pasta Party, mit Siegerehrung, Bilder des Tages und Video des Tages, sowie Briefing für den nächsten Tag. Morgen wird es erstmals hochalpin. Die Wettervorhersage kündigte für Mittag Gewitter und Regengüsse an. Der Start wurde eine Stunde vorverlegt 🙁 – gute Nacht

  1. Etappe von Ehrwald nach Imst

Kilometer: 39,50 km Aufstieg: 2288 Hm / Abstieg: 2505 Hm Startzeit: 7:00 Uhr
Bergsturz verweist die SALOMON 4 TRAILS 2012 für zweite Etappe auf Alternativroute

Das Frühstück gestaltet sich ähnlich wie das gestrige, nur 3 Stunden eher, um 5!!! Egal, ein Feuerwehrmann kann immer und viel essen 😉
Das Profil versprach eine leichtere Etappe als am Vortag, zumal auf dem ersten Teilabschnitt die Alternativroute gelaufen wurde. Statt zur Grünsteinscharte auf 2.272 Meter, geht es über das Marienbergjoch (1.789 m) hinunter ins Tal. Leider waren die Anstiege noch steiler und die Temperatur fast unerträglich heiß!
Vom Start weg ließ ich es gemütlich angehen, die ersten flachen Kilometer raus aus dem Ort dienten dazu die Oberschenkel weich zu laufen und auf Betriebstemperatur zu kommen. Andrea startete den Tag wohl mit einer etwas anderen Motivation, bis zur ersten Verpflegungsstation, kurz hinter dem Marienbergjoch, sah ich nur die Rücklichter. Dort oben angekommen erspähte ich im Rückraum der Verpflegung einen kleinen Frischwasserbrunnen, die Inspektion ergab, dass er zur Kühlung einiger Kästen Bier genutzt wurde. Die Verlockung war groß, doch als ich meinen Fund lauthals bekannt gab, wurde mir unmissverständlich klar gemacht, dass der Vorrat nicht zur Versorgung der Läufer gedacht ist. Schade, dachte sicher nicht nur ich 😉
Die Strecke Bergab nach Finsterficht zur 2 Verpflegung liefen Andrea und Ich größtenteils gemeinsam, es ging Anfangs steiler, später aber angenehm bergab und somit war das schnell Geschichte. Dort warteten Ines und Tilo wieder auf uns, ich erinnerte mich an eindringliche Warnungen vor dem nächsten Anstieg, im Briefing, füllte meine Trinkblase und lies mir Zeit beim Essen. Melonen sind übrigens mein Verpflegungstations-Highlight!
Andrea startete etwas eher in das wohl schwerste Teilstück der 4Trails, der erste Teilaufstieg zum Tschirgant. Tilo und ich folgten ihr in sicherem Abstand 😉 Es ging auf 4 Km 800 Meter in die Höhe, 20 min/km, dass hatte etwas von Drehleiter steigen.  Tilo verabschiedete sich nach ca. 2 Km mit den Worten „run Forrest run“ .. an Rennen war natürlich nicht zu denken, etwas später traf ich wieder auf eine, diesmal etwas genervt wirkende Andrea;) Hätte ich gewusst was mir noch bevor steht, wäre ich das wohl auch gewesen. Der Weg bis zum „Haiminger Kreuz“ zog sich schier endlos und der letzte Anstieg hatte es nochmal richtig in sich. Zum Glück! blieb das Wetter stabil und als Entlohnung gab´s einen überwältigenden Panorama Rundumblick. Mit der Gewissheit, dass es nur noch bergab ging, war ich jetzt hoch motiviert und machte mich auf die 1400 Höhenmeter Abstieg ins Tal. Der anfängliche Teil war mit seinem Hochgebirgscharakter doch sehr schwer zu laufen, volle Konzentration war gefordert! Bis zur letzte Verpflegungsstation lief ich dann zusammen mit einem Hamburger Jung, der wie mir schien, genau das richtige Tempo für mich hatte und die 7 Stunden Marke, die in meinem Hinterkopf schwebte, noch realistisch erscheinen ließ. Leider baute ich aber ca. 5 km vor dem Ziel so ab, das auch eine kurze Begleitung von Tilo und der Versuch mich letztmalig zu motivieren Tempo zu machen, scheiterten und ich völlig erschöpft bei 7:04 in Imst ins Ziel stolperte. (Die letzte Rampe 300 Meter vor dem Ziel, 150 Meter eine steile Böschung hoch, die verzeihe ich dem Streckenchef nicht… !! ;))
Dort angekommen war ich mir gar nicht mehr sicher den morgigen Tag am Start zu stehen. Der Plan des restlichen Tages war eine Massage und viel zu essen und zu trinken. Also erst mal ins Hotel, dort bin ich direkt auf der Couch „verendet“ und nach einer Stunde Schlaf wurde ich vor die nächste Herausforderung gestellt, die mir unsägliche Schmerzen bereiten sollte. Keine Dusche, sondern eine Badewanne mit zu kurzem Schlauch für die Brause, ich war gezwungen mich im knien zu duschen!!! Es dauerte etwas länger…Als das Prozedere beendet hatte ging es wieder zurück zum Start- und Zielbereich, auf mich wartet das nächste schmerzhafte Ereignis des Tages, eine Massage. Mir ging es vorher wie nachher schlecht und ich glaubte nicht wirklich die 17 Euro gut investiert zu haben, aber es galt ja alles zu versuchen.
Finaler Akt, war wie jeden Abend, die Pasta Party und für mich war die „Troika des Schmerzes“ mit der Lasagne des Abends vervollständigt. Gute Nacht! 😉

  1. Etappe von Imst nach Landeck

Kilometer: 31,80 km Aufstieg: 1827 Hm / Abstieg: 1787 Hm Startzeit: 8:00 Uhr
Dreiteilige Gipfeltour

Die Nacht war nicht die Beste, bei jedem erwachen schrien meine Beine, nicht bewegen! Dekubitus Prophylaxe nicht möglich! Irgendwann war’s dann vorbei und täglich grüßt das Murmeltier, 6 Uhr wecken, Frühstück, anhosen und auf zum Start. Die Etappe wurde als „Erholungsetappe“ ausgelobt, was ich mit einem müden ungläubigen Lächeln quittierte. Petrus hatte bisher ein Herz für die Trailrunner und verschonte uns mit Gewittern. Für den heutigen Tag äußerten er, respektive die Wetterstationen des Alpenraums, sich nicht eindeutig. Die Gewitterwahrscheinlichkeit ist jedoch sehr hoch und so entschied die Organisation schon am Vortag, die Alternativroute zu laufen. Als der Startschuss fiel nieselte es leicht und die Temperatur war sehr angenehm.
Die ersten Kilometer gingen flach durch den Ort und sollten neutralisiert gelaufen werden, geplant war, das Feld bis zu einer Bahnstrecke, die nicht blockiert werden konnte, zusammen zu halten. Interessierte an der Spitze natürlich niemanden, die bretterten los als gäbs kein Morgen mehr, dass Hauptfeld stand prompt vor verschlossenen Schranken, im Ziel gab’s 7 min. Zeitgutschrift. Eigentlich war ich darüber gar nicht böse, ich kam nur sehr schwer in Tritt, die Muskeln waren steinhart und ich hatte Angst vorm Berg. 1300 Hm non stop bis zum „Gipfel“
Am Anfang ging erst mal gar nix, es war Stau, ein nächtliches Unwetter hatte einige Bäumen am Hang quer gelegt und verhinderte somit einen flüssigen Aufstieg auf den ersten 2 Kilometern, die nächsten 3 kam ich dann ganz gut zurecht, fand mein Tempo und Zack schon bei der ersten Verpflegung. Fühlte sich besser an als erwartet. Im Gegensatz zum Stadtmarathon spielen Kilometer übrigens eine untergeordnete Rolle: Entscheidender sind die bereits zurückgelegten Höhenmeter, da diese das Killer-Kriterium sind. Eine gute Motivation an diesem Tag war, dass man wusste, es gab nur einen schweren Anstieg. Wer also oben ist muss nur noch runter 😉 und so ging es frohen Mutes weiter bergan bis zur „Venetalphütte“ Dort begannen für mich die schönsten 8 Kilometer der gesamten 4 Tage.. es ging in 2000 Metern Höhe über die malerischsten Trails die man sich vorstellen kann. Mal leicht bergab, mal leicht bergauf, über Stock, Stein, Wurzeln, Bachquerungen, auf wunderschönen moosbedeckten Waldwegen. Einfach geil, ich raste durch und kassierte Läufer um Läufer. 4 Kilometer vor der letzten Verpflegung änderte sich das Terrain zu einem Geröllhang mit einem breiten Wanderweg der sich ca. 200 Meter unterhalb des Gipfelgrades dahin schlängelte, immer noch sehr schön und gut zu laufen. Auf der Hälfte wartet Tilo mit der Rassel und bekam sogleich das volle Ausmaß meines Hochs zu spüren. Er hatte bis zur Verpflegung an der Schrotthütte sichtlich Mühe dran zu bleiben, ich hatte keine Zeit zu verlieren, unter 5 Stunden war das ausgerufene Ziel. Kurz danach verabschiedeten wir uns, ich hatte die letzten 8 Kilometer/1200 Meter bergab vor mir und 50 Minuten Zeit, mein Ziel zu erreichen. Machbar, dachte ich, auf dem Elberadweg, aber nicht hier …
Wenn Oberschenkel tatsächlich platzen könnten, dann wäre das heute dort hinunter passiert. Meine Waden fühlten sich hingegen super an, ich hätte demnächst gerne Ganzkörper-Kompressionssocken
Der Abstieg war nicht nur lang, nein, er war auch noch Sau steil. Jammern war trotzdem nicht angesagt, der Ehrgeiz mich packte, Turbo an als Schloss Landeck in Sichtweite kam. Ich fühlte mich wie auf Droge und hastete die letzten 3 Kilometer ins Ziel als gäbs da selbige kostenlos. Noch einige Treppen, die ich im Sprung nahm, hinunter und dann die letzten 200 Meter bis ins Ziel.
4:47 Nossa!! Das war mein Tag! Quietschvergnügt und stolz empfing ich mein Zielküsschen und das dazugehörige Stück Pizza. Massage Termin war gebucht, das Hotel bereits eingecheckt, einem schönen Nachmittag (der es dann auch wurde) stand nix mehr im Weg! Obligatorisch am Abend die Pasta Party, oh Wunder, es gab Nudeln. BOLO!!  Dem Streckenbriefing folgte ich als „alter Trailhase“ :))) nur mit einem Ohr. Irgendwas von Königsetappe, Gewittern und um 7 Start faselte der alte Mann auf der Bühne. Davon wollte ich gar nix hören – gute Nacht

  1. Etappe von Landeck nach Samnaun

Kilometer: 44,50 km Aufstieg: 2844 Hm / Abstieg: 1820 Hm Startzeit: 7:00 Uhr
Die meisten Höhenmeter zum Abschluss

Wieder mal klingelte der Wecker kurz vor 5 Uhr.
Systemcheck:

          • Füße ,3 von 10 Zehennägeln blau, 2 kleine Blasen an den Innenseiten -check
          • Waden, müssen da sein, tun ja weh – check
          • Oberschenkel, hart wie Krupp Stahl – check
          • Schultermuskelkater – check

Ich hatte Körper! und hatte entsprechend gehörig Respekt vor der Etappe, speziell mit den drei zurückliegenden Etappen in den Beinen. Punkt sieben Uhr ging es los. Ein Kilometer war uns zum warmrollen gegönnt worden, dann begann der 1.600 Höhenmeter Aufstieg zum Fisser Joch. Erst folgten wir einer Straße, dann einem Forstweg und schließlich einem Trail. Im Gegensatz zu den ersten Etappen war dieser Aufstieg soweit sehr erträglich, da die Steigung für 4-Trails-Verhältnisse nur „moderat“ war. Es kam wie es kommen musste, eine Skipiste. ARRRGHH. Mit moderater Steigung hatte es sich dann erledigt. Nach ca. 2:30 hörte ich ein mir wohlbekanntes, süß klingendes Rasseln. Tilo hatte sich ein paar hundert Meter unterm Gipfel und der damit verbundenen Verpflegungsstation postiert. Parole „Melone“ und weiter gings. Was folgte waren Trails wie aus dem Bilderbuch. Hoch, runter, Steine, Bäche, Spaß pur. Die nächsten Kilometer liefen wieder mal super, zu Tilos Unglück, für mich wie ein Länderspiel gegen Luxemburg. Ich ließ es das letzte Mal richtig krachen und fegte mit einem 4:30 Schnitt Richtung Kölner Hütte, wo laut Ankündigung Ines auf mich wartete. Dort wurde ich aber Enttäuscht. Da sie statt auf der Mittelstation, erst am Gipfel aus der Bahn gestiegen ist, irrte sie bewaffnet mit Fotoapparat, auf dem Murmeltierpfad durch die Berge. Etwas schade, aber das Ergebnis waren schöne Fotos 🙂
Nach lächerlichen 500 Höhenmetern durften wir dann direkt wieder schöne Trails hinuterbügeln, allerdings nur dann, wenn man vorher unter „der Schranke“ hindurch kam. Schon einmal versucht mit Etappenlauf-Oberschenkeln die Beine auseinander zu machen?! Nach der kurzen bergab-Passage ging es dann zum Arezzjoch hinauf. Kurz vor dem Joch konnte dann noch einmal verpflegt werden. Zusätzlich pfiff dort oben eine steife Brise von ca. 5 Grad – Mütze auf – gleich viel besser.
Dann ging es in das Zwischenstück am Hexensee vorbei Richtung Ochsenscharte, dem höchsten Punkt der 4-Trails mit 2.787 Metern. Die Trails waren hier sehr anspruchsvoll, da es immer wieder durch Blockhalden ging und mehr klettern und vorsichtig gehen, als laufen angesagt war. Schließlich kamen wir in den Bereich der Strecke, in dem die Schneefelder waren. Da Laufschuhe nicht sonderlich hoch sind, war nicht nur ich im Schneefeld, sondern anschließend das Schneefelder auch in meinem Schuh… ;o) Ganz schön kalt, so Schnee… Bei den heiß gelaufenen und geschundenen Füßen aber gar nicht so schlecht. Bereits im Anfang des Aufstiegs konnte man eine Zuschauerin mit Kuhglocke hören, die Lärm für 20 Zuschauer machte. Super, danke dafür! Hat unendlich genervt 😉
Weiter ging es dann durch Almwiesen, in denen man höllisch aufpassen muss, nicht auf Grasfrasen umzuknicken oder von einem Murmeltierloch verschluckt zu werden. Schließlich kamen wir dann zu einer Forststraße, die mit gefühlten 50% Gefälle ins Tal stürzte. Die Nervenenden, die an meiner Oberschenkelmuskulatur anliegen, signalisierten: „Stop! Überlast! Not aus!“… ;o)
Da ich das öfters getan habe, überholten mich auf dem gesamten Abstieg bis zur letzten Verpflegungsstation gefühlt 50 Läufer, die Motivation war am Boden, zum Heulen, ich war bockig wie ein 5 jähriger der ins Bett muss. Mit Erreichen des letzten Verpflegungspunkts konnten wir dann durchs Tal auf den 8 km langen Zielsprint gehen (O-Ton vom Briefing)… ;o) Sehr zermürbend, da leicht bergauf und nicht enden wollend. Immerhin wurde ich nicht mehr überholt, gefühlt war ich nach dem Abstieg eh letzter. 3 Kilometer vorm Ziel erklang ein letztes Mal das mir wohl vertraute Rasseln, Tilo wartete mit dem Auto auf mich und Andrea (ca. 10 min hinter mir). Mensch Junge, was hat denn da so gedauert? Stand ihm ins Gesicht geschrieben 😉 Irgendwann dann die Erlösung: Ein Zuschauer, der meinen leidenden Blick sah rief mir zu: „Gib nochmal alles! Nur noch 200 Meter!“. Und tatsächlich, direkt hinter einer Häuserecke stand der Zielbogen. Mit einem ordentlichen Spurt kam ich nach 7:50 in Samnaun an!
18500 kcal, 152,1 Kilometer und über 9.376 Höhenmeter später .
Sage ich vielen Dank, an Ines, Tilo und Andrea. Für die Unterstützung, Tips, und Motivation!! DANKE!!

Nächstes Jahr gernewieder und wenn das hier mal einer lesen sollte, ich such noch jemand für den Transalpin ;

Holger Schmidt


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

„Begeisterung ist der nie erlahmende Impuls, der uns beharrlich unser Ziel verfolgen lässt.“ Norman Vincent Peale

Letzte Beiträge

Suche