Silke läuft beim Berlinmarathon 2019

Nachdem ich vor zwei  Jahren bei meinem ersten Marathon in Dresden mit 4:01 ins Ziel kam, war sofort klar, dass es nicht dabei bleiben konnte.  Mit etwas Glück erhielt ich dann, genau am Tag meiner geplanten Schulter -OP, tatsächlich einen Startplatz beim Marathon in Berlin am 29.9.2019. Das musste ein gutes Zeichen sein. Dann hieß es ab Juni natürlich, sich gut vorzubereiten. Ich trainierte ziemlich genau nach meinem Trainingsplan und konnte regelmäßig das Durchläufertraining am Dienstag mit einbauen. Außerdem erhielt ich so immer gute Tipps, sei es zur Einteilung des Laufes oder zur Nahrungsaufnahme.

Ich reiste zwei Tage vorher an, um bereits am Freitag, den 27.09. meine Startnummer auf der Marathonmesse abzuholen. Berlin empfing mich mit Starkregen und die Wetteraussichten sahen nach einem wunderschönen Spätsommer nun sehr trübe aus. Das war schon ziemlich ärgerlich. Die Messe war sehr groß und die Menschenmassen unglaublich, man musste auch überall anstehen, so dass ich froh war, mich für den Freitag entschieden zu haben. Nach vier Stunden war ich überall durch, der Marathon vor dem Marathon. Übernachtet habe ich gegenüber vom Hauptbahnhof, das war logistisch sehr günstig (der Hotelpreis hingegen nicht). So konnte ich alles zu Fuß erreichen. Der Samstag startete mit einem kleinen lockeren Läufchen und dann gab es ausgiebig Frühstück, bezahlt ist bezahlt. Ein kleiner Stadtbummel mit mehreren Café-Stopps  zum Füße hochlegen folgte. Am Abend dann intensiver Wetter-Check und die Frage, was zieht man bei  vorhergesagten Regen und Windböen an. Die ersten Läufer sollten wohl trocken ankommen, Marathon in 2 Stunden krieg ich aber nicht hin. Am Morgen ging es dann 6:30 im Hotel mit Frühstück los, die hatten extra eher aufgemacht und der Saal war voll mit Marathonis und ihren speziellen Frühstückstellern. Vom mitgebrachten Brei bis hin zu Weißwürsten und Speck wurde alles vertilgt, ich hielt mich an meinen Haferbrei mit Banane. Der Weg zum Start hätte gar nicht ausgeschildert werden müssen, man brauchte nur den Massen folgen.

Aber unglaublich ging alles reibungslos und außer an der Toilette musste man nirgends anstehen. Die Stimmung war schon aufgeheizt, der Blick zum Himmel betreten und die Aufregung stieg. Ich wollte unter 4 Stunden laufen. Mein Trainingsplan war auf 3:58 ausgelegt und meine persönliche Zielzeit war 3:57, das hatte ich auch überall so kommuniziert. Da ich aber von den Trainingszeiten und auch von der gefühlten körperlichen Verfassung sehr optimistisch war, hatte ich mir mal vorsichtshalber auf meinen Arm die Durchgangszeiten aller 5km für eine Zielzeit von 3:56 aufgeschrieben. Bei aufgehellter Wolkendecke startete ich um 9:50 in der dritten Startwelle, da hatten die ersten schon die Hälfte hinter sich. Es war Wahnsinn inmitten der Läufer. Die Straßen waren von vielen Zuschauern umgeben und immer mal wieder spielten Bands und Trommler. Die Verpflegung war ausgesprochen gut. Getränkestände gab es alle 2,5 km, da hatte ich mir auch vorher schon einen Plan gemacht, wo ich stoppe und Gels und Salztabletten hatte ich selbst dabei. Bis km 20 hielt das Wetter, dann fing es an mit Nieselregen. An den Getränkestationen musste man schon sehr aufpassen, da es wegen der Nässe und den zertretenen Bechern sehr rutschig wurde.  Ich genoss aber meinen Lauf, blickte in die Zuschauergesichter oder die meiner Mitläufer und freute mich einfach, dabei sein zu können. Ab km 30 folgte dann starker Dauerregen. Es war sinnlos, um die Pfützen zu laufen, denn wir waren innerhalb kürzester Zeit nass bis auf den letzten Körperflecken. Das war nicht schön, aber in dem Moment auch egal. Ich bewunderte die Zuschauer, die trotz des Mistwetters mit Schirmen und Planen an der Seite standen und uns anfeuerten. Unglaublich . Kaum vorstellbar, wie es erst bei schönem Wetter gewesen wäre. Die Stimmung trägt einen und die 42 km vergehen wie im Flug, keine negativen Gedanken, keine Schmerzen. Als ich dann einbog und das Brandenburger Tor sah, legte ich nochmal etwas zu. Es war einfach gigantisch. Auf meine Uhr schaute ich da schon nicht mehr, da ich bei km 40 gut in der Zeit lag. Ins Ziel kam ich dann mit 3:55. Unglaublich. Ich hatte tatsächlich die 4 h geknackt.  Ich war wie geflashed. Noch schnell paar Fotos und dann ab in die Umkleide.

Wir hatten zwar im Ziel alle Regenplanen bekommen, aber es wurde doch schnell kalt. Glücklicherweise gab es warmen Tee (auch das ohne Anzustehen) und warme Duschen. Die Organisation war einfach perfekt, immerhin wurden ohne Komplikationen 47.000 Leute aus 150 Nationen „durchgeschleust“. Im Anschluss hab ich mir meinen Lauf natürlich gleich bei garmin angeschaut und war gleich nochmal begeistert. Sowohl Puls als auch Pace lagen im Diagramm auf einer beachtlich geraden Linie, konstanter geht es kaum. Berlin kann ich nur jedem empfehlen, es war ein ganz besonderes Erlebnis und wird lange nachwirken. Auch wenn für viele die Zeit ein Klacks sein mag, für mich war es eine Herausforderung.

Den Mann mit dem Hammer habe ich übrigens auch dieses Mal nicht getroffen. Ich hab auch nicht nach ihm gesucht 🙂


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

War der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer. Ilona Schlegel

Letzte Beiträge

Suche