Swissalpine Marathon 2012

Einfach nur gekämpft!

Nachdem ich Anfang Mai wieder in Davos war, habe ich mit dem Swissalpine Marathon geliebäugelt. Obwohl bergige Läufe bisher nicht mein Ding waren, aber mit Training sollte es anders werden. Zwei Kollegen begleiteten mich öfters und einer sollte Blut lecken! Von Woche zu Woche fiel es mir leichter die Anstiege zu besiegen und wenn es nur bedeutete, den rechtzeitigen Wechsel zwischen Laufen und Gehen zu lernen. Ich hatte bald eine Lieblingsstrecke für meinen langen Lauf. Von der Schatzalp (1861 m über die Lochalp, Grüenialp, Erbalp, Staffelalp und zurück.

Endlich bekam ich grünes Licht, um mich anzumelden und Mario eine Woche später.

27.7.

Nach 9 Arbeitstagen hatte ich nun am Freitag meinen freien Tag und er wurde heiß! Wir hatten ca. 30 ° C auf dem Berg! Ich begann meinen Tag schön gemütlich, nachmittags fuhren wir mit dem Bähnli nach Davos runter, um unsere Startunterlagen abzuholen. Mario war schon aufgeregt und ich eigentlich noch sehr ruhig. Seit Tagen wollten meine Kollegen wissen, was ich mir vorstellte und ich meinte immer, mein Wunsch wäre es, wenn vorn eine 2 steht!

Wir schlenderten noch in Ruhe über die Laufmesse und danach suchten wir uns einen sonnigen Platz auf der Terrasse von Schneider`s und ich gönnte mir, natürlich, Vanilleeis mit heißen Himbeeren. Mario musste abends noch arbeiten und ich verbrachte den Abend auf der Promenade beim Fest. Genoss einen riesigen Rindfleischspieß und Aperol Sprizz. Natürlich um besser zu schlafen!

28.7.

Der Wecker klingelte 8.30 Uhr. Auf zum Frühstück! Die K 78 sind da bereits 1,5 h unterwegs. Wieder auf`s Zimmer den Klamottenbeutel packen, die Startnummer ans Shirt…..mindestens 3-mal auf Toilette und dann greife ich doch zum Handy und rufe Detlef an. Brauche einfach zur Beruhigung seine Sprüche.

Für Mario und mich gibt es sogar Nudeln zum Mittagessen und 15 Minuten bevor wir los wollen, fängt es draußen an zu schütten! 110 l Mülltüten aus der Küche geholt und unsere Caps fertig gemacht. Wir landen viel Gelächter! So kommen wir trocken zum Bahnhof und steigen einen Zug eher ein, haben Glück und bekommen für die 45 min Zugfahrt einen Sitzplatz.

In Klosters haben wir nun genügend Zeit. Hier treffen wir Steve mit seiner Mutter. Beide sind den K 21 schon mehrmals gelaufen und sie machen mir Mut, dass ich mit meiner Vergleichszeit vom Rennsteig Halbmarathon locker unter 2 h bleibe. Es wird in 2 Etappen gestartet und jeder Block wird mit einem Sonderzug zur Sunnibergbrücke gefahren. So trennen sich unsere Wege. Kurz bevor der erste Zug einfährt, kommt die Sonne raus. Auf offener Strecke werden wir aus dem Zug gelassen, gehen die Böschung runter, können noch paar Fotos machen und 5 Minuten später ist schon der Startschuss.

Wir laufen über die Brücke, wo es auch schon bergan geht und hinter der Brücke geht es in den Wald und stetig bergan. An einer schmalen Stelle enteilt mir Mario. Ich überlege nur kurz ihn zu bremsen und mache es aber nicht. Wechsle immer wieder zwischen laufen und gehen und bin auch über jede schattige Stelle froh. Endlich habe ich die erste lange Steigung hinter mir und es geht bergab und bergab…Dann erkenne ich, wo es hin geht! Wir kommen wieder in Klosters an, direkt an die Talstation der Gotschnabahn und ich muß erkennen, das ich alles noch mal hoch muß und noch höher. 3,5 km geht es nun hoch und bald merke ich, das ich mit zügigem Gehen immer wieder an vor mir Laufende ran komme und auch überholen kann. Endlich kommt ein fast ebenes Stück und meine Muskeln streiken, ich habe das Gefühl, noch nie in meinem Leben gerannt zu sein! Dann ist endlich Laret angeschrieben. Ich habe fast die Hälfte der Strecke hinter mir. Wir bekommen Bananen und Wasser. Jetzt soll es nicht mehr weit nach Davos Wolfgang sein, wieder bergan, aber nicht mehr so steil. Matten auf der Strasse signalisieren mir, endlich die Hälfte! Ich schaue auf meine Uhr und verabschiede mich, von unter 3 Stunden zu bleiben. Dann taucht vor mir ein Baugerüst auf. Steven hatte es mir gesagt, Querung einer Hauptstrasse, jede Stufe ist anders hoch und das Gerüst wackelt Ich bin froh, als ich es hinter mir habe! Endlich bin ich in Davos Wolfgang. Es ist der höchste Punkt! Von nun an immer bergab! Es kommt ein Kilometerschild und ich beginne fieberhaft zu rechnen und denke, du könntest es doch noch schaffen! Nun geht es los, ich kämpfe um jedes Stück! Auf einmal erkenne ich, dass ich am Davoser See rauskomme. Im Mai meine Hauptstrecke! Nun weiß ich es ist nicht mehr weit! Noch mal eine Wasserstation und ein Stück weiter endlich Cola, ich greife zu und weiter geht es. Es wird auf einmal schnell dunkel, beginnt zu winden und zu donnern. Klasse! Jetzt doch noch ein Umweg zum Stadion und noch mal ein Anstieg in den Wald rein. Wieder ein bekanntes Stück! Es fängt an zu gießen und wird hundekalt. Meine Waden wollen trotz Kompressionsstulpen zu machen und ich denke nur noch, nicht jetzt mehr, auf den letzten 2 km, dann kannst du die Zeit vergessen! Kurve nach rechts und von der anderen Seite stoßen die Marathonis und die K 78 er zu uns. Raus aus dem Wald und bergab! Auf einmal Rufe! Petra! Ich freue mich riesig, als ich Bernd Melzer erkenne! Es geht auf die Talstraße, der letzte Kilometer und wieder Rufe. Unser Technikchef feuert mich an. Rein ins Stadion und die auf der dreiviertel Runde noch vor mir Laufenden überholt. Getreu Janas Motto „ vor Dir machst Du alle platt“. Ein Blick auf die Uhr und ich kann’s nicht fassen. 2:59:17 h. Trotzdem kann ich weder lachen noch heulen! Ich bin platt! Mario ist ca. 10 Minuten vor mir ins Ziel. Eigentlich wollten wir duschen und noch das Flair genießen, aber es war dann so kalt und nass, das wir nur noch unsere Beutel geholt haben und in 4 Minuten waren wir an unserem Bähnli. Wir wollten nur noch eine heiße Dusche und uns lang machen.   Zum Abendbrot haben wir uns verfehlt , Mario war eher in der Kantine. Unser Küchenchef hat mich dann noch verwöhnt und so ging es mir 2 Stunden später wieder blendend.

Mario meinte nur am nächsten Tag, ich hätte ihn zurück pfeifen sollen. Steve habe ich paar Tage später getroffen….es gab dieses Jahr eine Streckenänderung… es wäre noch nie wieder nach Klosters runter gegangen, sondern sonst immer auf halber Höhe weiter Richtung   Davos.

Petra Arnold


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War der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer. Ilona Schlegel

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