Wienmarathon 2011

Manchmal kommt alles noch besser als gedacht.

Der Wienmarathon ist attraktiv, eine sehr schöner Rundkurs in der wunderbaren Stadt. Für mich ist es ein würdiger Rahmen zum 10. Start über die 42,195 km. Ich hatte noch den Vorteil, dass ich liebe Freunde besuchen konnte. Die Marathonmesse inklusive Startnummernausgabe war übersichtlich und am Freitagabend nicht sehr voll. Am Start bei der UNO-City herrscht gute Stimmung unter den vielen Tausend Startern, es ist angenehm kühl und die Sonne scheint. Kurze Bekleidung ist angebracht. Halbmarathonläufer starten gemeinsam mit den Marathonis, vorneweg die Spitzenläufer unter ihnen Haile Gebrselassi, der Weltrekordhalter.

Zuerst geht es über die schöne blaue Donau, die ja ziemlich weit außerhalb an Wien vorbeifließt. Es ist noch ganz schön eng, aber im Prater hat sich das Feld auseinandergezogen und man findet seinen Rhythmus. Mein Ziel ist es mal wieder unter 3:30 h zu bleiben und ich versuche 5 km jeweils in 24 Minuten zu laufen. Es ist ein recht internationales Starterfeld. Die Stimmung an der Strecke ist gut, besonders an Stellen wie dem Naschmarkt, der Mariahilfer Straße oder auf dem Ring sind viele Zuschauer, die einen anfeuern. Ich habe diesmal keine persönliche Fangroup. Als die Strecke das erstemal an der Hofburg vorbeiführt, hätte man auch direkt auf den Heldenplatz zum Ziel des Halbmarathons laufen können. Mir fällt es nicht schwer, mich auf die zweite Runde zu begeben. Mit einer Zeit knapp unter 1:40 h liege ich hervorragend im Plan und genieße weiter auf dem Ring u.a. am Burgtheater vorbeizulaufen. Etwa am Kilometer 27 spricht mich eine Läuferin an, mit der ich zusammen auf Sinai gelaufen bin. Ich staune, dass sie mich bei den Massen erkannt hat. Vielleicht habe ich einen unverwechselbaren Laufstil. Eine ganze Weile unterhalten wir uns und sie meint, wenn wir so weiterlaufen, schaffen wir eine Endzeit von 3:20 h. Meine Bestzeit steht ja bei knapp unter 3:25 h. Damals auf Sinai musste sie mich nach der Hälfte der Distanz ziehen lassen, diesmal wird sie mir zu schnell (und schafft dann eine 3:20). Ich bleibe vernünftig bei meinem Tempo, aber der Ehrgeiz ist angefacht. Jetzt kommt allerdings die wie immer schwierigste Phase des Laufs. Die Strecke führt 5 km durch den Prater stadtauswärts und dann muss man den ganzen Weg wieder zurück. Vorteilhaft sind die Bäume, denn im Schatten läuft es sich jetzt viel angenehmer. Aus Lautsprechern tönt ziemlich dramatische Musik (Beethoven?). Anstrengung und laufen wie im Rausch wechseln ab, sicher sind da Endorphine im Spiel. Ich bin froh, als es wieder über den Donaukanal in Richtung Ring geht, vom Stadtpark ist es nicht mehr weit, kurz nach der Oper ist das Ziel. Jetzt läuft man durch ein Menschenspalier und wird zum Heldenplatz getrieben. Nach 3:23 h laufe ich durchs Ziel. Eine Bestzeit stand heute eigentlich gar nicht auf dem Plan und ich fühle mich nicht nur deshalb richtig gut. Manchmal kommt eben alles noch besser als gedacht. Wie schon während des gesamten Rennens sind auch im Ziel Organisation und Verpflegung sehr gut.

Reinhard Oertel


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