Zugspitz-Supertrail 2012

Auszug aus der Startseite im Internet: “ DER BERG RUFT! „

Das weltbekannte und landschaftlich reizvolle Zugspitzmassiv bildet die Kulisse für diesen einzigartigen Berglauf. Die Zugspitze gilt von jeher als eine ganz besondere Herausforderung für Bergsportler. Mit 2962 Metern der höchste Berg Deutschlands, erleben Gipfelstürmer dort über den Wolken ein atemberaubendes Bergpanorama. Auf fantastischen Trails können alle naturbegeisterten Bergläufer und Trailrunner die Herausforderung Zugspitze laufend in Angriff nehmen. Die eigenen Grenzen erfahren, Ziele erreichen, die Natur erleben – das ist der besondere Reiz beim SALOMON ZUGSPITZ ULTRATRAIL.“

17.06.2012
Das letzte Lauftraining mit Steffen, Ralf und André. Ich bin schon nervös und angespannt. Der Kopf ist blockiert und Zweifel machen sich breit. Steffen gibt alles, um mich positiv zu stimmen.

19.06.2012
Letztes Durchläufertraining.

21.06.2012
Wir starten nach Grainau. Ankunft bei Sonne. Am Abend beginnt es heftig zu regnen.

22.06.012
Der Morgen begrüßt uns wieder mit Sonnenschein. Tilo macht heute allein einen Lauf auf die Zugspitze über den Westweg Klettersteig vom Eibsee über die Wiener-Neustädter Hütte zum Gipfel. Ich spaziere mit Mutti bissl in Grainau herum und hole dann die Startunterlagen. Mittag fahren wir mit der Bahn auf die Zugspitze und nehmen dort Tilo unversehrt in Empfang.
19:30 Uhr: Briefing. Mir wird immer mulmiger in der Magengegend.

23.06.2012
Es ist soweit. 05:30 Uhr klingelt der Wecker. 06:00 Uhr betreten wir den Frühstücksraum. = Schock! Nichts gedeckt. Die Wirtin hatte es verpeilt. Zum Glück hatten wir einen kleinen Kaffeekocher mit – jedoch nichts Essbares. Ich war hochgradig angespannt. Die Wirtin gab schließlich alles, um mir wenigstens noch ein Brötchen mitgeben zu können, das ich dann auf dem Weg zum Shuttlebus in mich hineinstopfte. 1 min vor Abfahrt erreichte ich den Bus. Der war schon gut gefüllt, so bekam ich keinen Sitzplatz mehr.:-(

1h Busfahrt im Stehen. Ankunft: Nieselregen. Na toll. Nach 10 min verzog sich die Wolke und die Sonne lies sich blicken.

Noch 1 ½ h bis zum Start. Ich begann zu frieren. Die Aufregung! Als Tilo und Mutti das Startgelände erreichten, fanden sie ein frierendes Häufchen Elend vor. Ich war gerade dabei, alles in Frage zu stellen. Aber das war kein Grund zur Sorge – so geht es mir oft vor großen Events.

Dann endlich: 08:30 Uhr – Gepäckcheck. Der gesamte Rucksack wurde auf alle Pflichtteile überprüft: Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Trillerpfeife, Stirnlampe, Ersatzbatterien, Ausweis, lange Hose und langärmliges T-Shirt, Regenjacke, Mütze, Handschuhe, Getränk (mind. 1 ½ l). Da ich alles auspacken und vorzeigen musste, war meine ganze „Packkunst“ hin.

09:00 Uhr Start. 2 km lang dichtes Gedränge im Feld. Danach lockerte es sich etwas auf. Es ging gemächlich Bergan. Langsam legte sich meine Aufregung und ich begann dieses Rennen und die Natur zu genießen. Plötzlich kam sogar Freude auf, bei dem Rennen dabei zu sein.

Knapp 10 km lagen hinter mir, als mich ein Runnershigh überkam. Ich war etwas verwirrt. So zeitig hatte ich noch nie eins. Egal – einfach genießen! Und kurze Zeit später erreichte ich die erste Verpflegungsstation „Hämmermosalm“, bei der mein Betreuerteam bereits auf mich wartete. Kurze Stärkung und weiter.

Es folgte ein Trail bei dem u.a. auch Flussüberquerungen zu meistern waren. Von den 4Trails war mir derartiges Gelände bekannt. Diesmal jedoch rutschte ich aus und flutsch – stand ich mit einem Bein Wadentief im eiskalten Wasser. Schei…… Erst Schock, dann herrlicher Genuss der kühlen „Erfrischung“, beim Aufsetzen auf der anderen Seite quietschte das Wasser im Schuh, versuchte einen Weg hinaus zu finden und ich machte mir Sorgen, denn ich hatte noch knapp 60 km vor mir!

Nach 17 km erreichte ich das Scharnitzjoch (2.048 m). Der erste Anstieg lag somit hinter mir. Dem folgte nun auch ein langer Abstieg (ca. 3 km). Zunächst über einige Schneefelder, dann über eine sumpfige Wiese und patsch – ich stand knöcheltief im Morast. Ekelig! Dem schloss sich nahtlos ein schlammiger Hangabschnitt an. Körperspannung! Platsch – da lag ich. Schei….. Aufrappeln 3 Schritte – platsch ich lag wieder. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich 3. Glück gehabt – ein dritter Sturz blieb mir erspart. Der Oberschenkel schmerzte etwas. Wurde sofort ignoriert. Danach folgte ein schmaler Trail bergab. Anspruchsvoll, da mit vielen Steinbrocken und Stufen gespickt. Vor mir preschte eine Läuferin (auch „gezeichnet“ vom Schlamm) durch das Feld. Genial! Ich hing mich dran und genoss den Trail hinab auf 1.100 m. und amüsierte mich prächtig. Mich überkam ein kurzer Lachanfall als ich so die Schlammschicht auf meiner linken Hand betrachtete. Schlammpackung im Startgeld inklusive – cool, spare ich mir den Besuch in der Physiotherapie. J J J
Bei km 24,8 ereichte ich die nächste Verpflegungsstelle (Hubertushof Reindlau; 1080 m) und traf wieder mein Betreuungsteam. Ich war total aufgedreht und überglücklich.

Jetzt folgte ein eher flaches Gelände durch die Leutasch-Geisterklamm. Meine Beine meldeten ersten Protest an. Das hatte ich nun von meiner schnellen Bergabtour. Mist! Der Weg schien kein Ende zu nehmen. Unendlich erscheinende 6 km und dann ging’s erstmal weiter Bergab auf etwa 860 m. Viele Grüße an die Oberschenkel = selbst Schuld.

Endlich – die 3. Verpflegungsstelle in Mittenwald (nach 34,2 km, auf 930 m) – ich füllte noch mal meine Trinkblase mit Wasser (Fehler, wie sich später herausstellte, Iso wäre besser gewesen). Es ging weiter Bergauf und Bergab auf schönen Trails. Eine weitere Verpflegungsstelle folgte bei km 39,5. Danach ging’s erstmal 2 km nur Bergan, dem folgten abwechslungsreiche „hoch- und runter-Trails“. Ab km 45 (Steile Hütte) ging’s wieder 3,2 km bergab auf 810 m Höhe zur Verpflegungsstelle „Reintal“. Ich hatte eine kleine Krise. Keinen Hunger, kein richtigen Durst. Doch essen und trinken ist überlebenswichtig bei solchen Läufen. Ich quälte mir ein kleines Stück Kuchen rein und einen Becher Wasser. Weiter ging’s in super schönem Trailgelände durch eine kleine Schlucht und schließlich Bergan – nach knapp 51 km in den Beinen, der letzte harte Anstieg von 900 m auf 2029 m Höhe.

Ich hatte das Gefühl überhaupt nicht vorwärts zu kommen. Unendlich zog sich der Trail serpentinförmig bergan. Meine Kräfte schwanden, das Wasser in meiner Trinkblase war alles andere als lecker und schon gar nicht hilfreich. Ich biss ein kleines Stück von meinem Riegel. Es schien überhaupt nicht in Richtung Speiseröhre zu wollen und musste somit mit Wasser dorthin befördert werden. Mein Magen rebellierte, der Kreislauf spielte jojo mit mir. Ich war verzweifelt. Anderen ging es ähnlich – ein schwacher Trost. Ich fühlte mich so elendlich, dass ich fürchten musste, den medical-Check am nächsten Verpflegungspunkt nicht zu überstehen und aus dem Rennen genommen zu werden. Körperlich die Erlösung, mental war dieser Gedanke jedoch kaum auszuhalten. Ein Betreuer an der Strecke versprach schließlich, dass die Verpflegungsstelle nicht mehr weit entfernt ist und dort alle Essens- und Getränkewünsche erfüllt werden. „Cola?“ fragte ich. „Klar, und auch Tee und Suppe“, bekam ich zur Antwort. Hörte sich an wie ’ne 5 Sterne-Versorgung, die bei mir den Überlebenswillen wieder mobilisierte.

Endlich – Verpflegungsstelle „Station Längenfelder“ in Sicht (km 56,8; 1.610 m). Nun hieß es den Race-Doc anlächeln und möglichst locker bleiben. Ich gab alles – volle Konzentration auf die versprochene Cola. Herrlich – der totale Champagner-Genuss. Danach einen Becher warmen Tee und erstmal setzen und hoffen, dass die Atmung sich möglichst bald auf normal pegelt und der Kreislauf wieder klare Gedanken zulässt. Es gab Nudeln mit Tomatensoße – leider streikte mein Magen. Ich würgte mir mit eisernem Willen 2 kleine gesalzene Gurkenscheiben hinter und nahm Kontakt zu meinem Kopfmuskel auf. „Los! Du schaffst das!“ Ich setzte mich langsam wieder in Gang. Die letzen beschwerlichen Höhenmeter galt es zu bezwingen.

Zunächst ein sehr angenehmer breiter Wanderweg, der im Vergleich zum letzten zurückgelegten Stück eher gemächlich bergan führte. Traumhafte Ausblicke. Ich musste ein Foto machen (super Alibi für eine kurze Pause). Und endlich erreichte ich die Bergstation der Alpspitzbahn (2.029 m) und dachte: geschafft. Naja, war nur ’ne kurze Freude. Es ging weiter hoch und runter, auch wieder über rutschige Schneefelder, bis endlich die „versprochenen“ 3.095 Gesamthöhenmeter im Aufstieg erreicht waren. Ich motivierte mich durchzuhalten indem ich an den leckeren Tee an der nächsten Verpflegung dachte, denn die 6. und 7. Verpflegungsstelle waren identisch.

Nach 10 h 20 min erreichte ich die letzte Verpflegungsmöglichkeit. Die Lebensgeister kehrten zu mir zurück. Jetzt ging’s auf direktem Weg 6 km zum Ziel. Steile Bergabtrails ließen ein wirklich schnelles Laufen nicht zu. Immer wieder musste ich abbremsen, um nicht auf den letzten km noch eine Verletzung zu riskieren. Ich war froh, dass ich diese Strecke noch im Hellen passieren konnte. (Grusliger Gedanke, diesen Trail im Dunkeln absolvieren zu müssen.) Es ging natürlich auch noch ein paar Mal bergan, denn die letzten 125 Höhenmeter im Anstieg mussten noch „voll“ werden. Schließlich mussten wir ja insgesamt auf 3.120 Hm im Anstieg kommen! 😉

Obwohl ich recht zügig unterwegs war, benötigte ich für diesen Trail etwa 40 min. Die letzten 2 km führten dann eher flach durch Hammersbach nach Grainau ins Ziel.

Zieleinlaufzeit 12 h 12 min. Ich war einfach nur glücklich und als 19. Teilnehmerin in einem Feld von insgesamt 53 Finishern (gestartet waren 61 Läuferinnen) nicht schlecht platziert [Gesamtrang 127 von 275 Finishern]; Philipp Reiter, der Vorjahressieger stellte wieder neue Bestzeit auf: 6 h 49 min. Der letzte Läufer erreicht nach 17:31 h den Zieleinlauf. Ein hartes Rennen für Hobby-Trail-Läufer.

Ich gehöre zu den Finishern und bin um viele Erfahrungen reicher. J

Danke an mein Betreuungsteam!

Danke auch an alle die an mich gedacht haben und mir die Daumen drückten.

Hier noch ein Link des Veranstalters, auf welchem herrliche Bilder zu sehen sind:

http://www.zugspitz-ultratrail.com/pic/Gallery_2012/PlanB_Impressions_ZUT_2012/index.html

Andrea Heschel


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„Begeisterung ist der nie erlahmende Impuls, der uns beharrlich unser Ziel verfolgen lässt.“ Norman Vincent Peale

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